Was passiert mit Führung und Zusammenarbeit, wenn Worte in den Hintergrund treten und stattdessen ein gemeinsamer Rhythmus entsteht?
Diese Erfahrung konnten wir bereits selbst machen: Bei einem Teamevent mit Helge Rosenbaum und teamdrumming hat die Crew von Valdivia erlebt, wie schnell gemeinsames Trommeln Dynamiken im Team sichtbar und spürbar macht.
Im Gespräch mit Daniel Bauer von Valdivia beschreibt Helge Rosenbaum von teamdrumming, welche Verhaltensmuster beim gemeinsamen Trommeln sichtbar werden, was Führungskräfte dabei über Kontrolle, Präsenz und Loslassen lernen können – und wie sich die Erfahrungen aus einem Teamevent in den Arbeitsalltag übertragen lassen.
Daniel Bauer:
Mit welcher Haltung starten sie – und was verändert sich schon in den ersten Minuten?
Helge Rosenbaum:
Viele kommen mit einer „Business-Haltung“: beobachtend, kontrolliert und ein bisschen skeptisch („Mal sehen, was das wird…“). In den ersten Minuten kippt das oft, weil der Körper schneller reagiert als der Kopf: Rhythmus ist unmittelbar. Sobald die ersten gemeinsamen Pulse entstehen, sieht man häufig, dass Schultern runter gehen runter, Blicke weicher werden und das Lächeln kommt. Dann wird aus„Ich bewerte“ ein „Ich bin Teil davon“.
Was zeigt sich besonders deutlich, wenn Worte in den Hintergrund treten?
Dann wird Führung als Beziehung und Timing sichtbar:
Wer hört wirklich zu? Wer gibt Raum? Wer dominiert? Wer orientiert sich am Ganzen statt am eigenen Impuls?
Ohne Sprache bleiben nur Präsenz, Klarheit und Kontaktfähigkeit. Und genau hier werden Muster schnell deutlich, die beispielsweise im Meeting oft gut verpackt sind.
Welche Rolle spielen Kontrolle und Loslassen und was lernen Führungskräfte genau darüber?
Kontrolle zeigt sich als „festhalten am richtigen Ergebnis“: Tempo drücken, korrigieren, andere „mitziehen“. Loslassen heißt: Rahmen halten + zuhören + fein steuern.
Das Learning ist meist sehr konkret:
• Kontrolle erzeugt kurzfristig Ordnung, aber oft auch weniger Eigeninitiative und weniger Groove.
• Loslassen ohne Rahmen erzeugt Freiheit, aber auch Unschärfe.
Die wirksame Mitte ist: klare Impulse geben und trotzdem dem Team zutrauen, den Puls selbst zu tragen.
Überraschende/untersschätzte Side Learnings – was beobachtest du am häufigsten?
· Fehlerkultur: Irritationen sind kein Scheitern, sondern Material für Neuausrichtung.
· Mikro-Kommunikation: Ein Blick, eine Geste, ein Atemzug kann mehr führen als zehn Sätze.
· Energie-Management: Wer zu viel „macht“, wird laut, aber nicht wirksam.
· Rollenbewusstsein: Nicht jede Führungskraft muss immer vorne stehen. Manchmal ist der stärkste Beitrag zu stabilisieren, zu unterstützen und zu verbinden.
Typische Aha-Momente, in denen Führungskräfte ihre Wirkung neu verstehen?
Mögliche Erkenntnisse (Beispiele):
„Immer wenn ich Druck mache, bricht das Zusammenspiel ab.“
„Wenn ich nur kurz still werde und wirklich höre, wird das Team plötzlich präziser.“
„Ich dachte, ich helfe – aber ich übersteuere gerade alles.“
„Wenn ich nur kurz still werde und wirklich höre, wird das Team plötzlich präziser.“
„Ich habe ‘Kontrolle’ mit ‘Sicherheit’ verwechselt.“
Und sehr viele mehr. Viele merken, dass ihre innere Haltung wie ein Taktgeber funktioniert. Dabei färbt nicht das Was das System, sondern die Art wie man da ist.
Was macht Teamdrumming sichtbar, das im Arbeitsalltag oft verborgen bleibt?
Es macht in Echtzeit Zusammenspiel, Resonanzfähigkeit und die Notwendigkeit eines gemeinsamen Referenzpunkt sichtbar:
· Wer orientiert sich am gemeinsamen Ziel?
· Wie geht das Team mit Unsicherheit um?
· Wo fehlt ein gemeinsamer Puls (Prioritäten, Entscheidungslogik, Vertrauen)?
Im Alltag wird das oft mit Worten überdeckt. Im gemeinsamen musikalischen Prozess wird die Qualität des Miteinanders sehr schnell hörbar.
Inwiefern wird Führungsverhalten im gemeinsamen Rhythmus unbewusst gespiegelt?
Sehr direkt: Führung wirkt wie ein „Referenzsignal“. Wenn eine Führungskraft hektisch wird, wird das Ensemble oft unruhig. Wenn sie stabil ist, wird es stabiler. Das ist wie ein Spiegel der eigenen Haltung: Timing, Klarheit, aber auch Unsicherheit etc. werden im gemeinsamen Puls sicht- und hörbar.
Was entscheidet, ob es Wochen später noch Wirkung zeigt?
Drei Dinge:
· Benennung: Was genau war unser Muster – und was war die Alternative, die funktioniert hat?
· Übersetzung: 1–2 klare Prinzipien in Alltagssprache (z. B. „erst hören, dann steuern“ / „ein gemeinsamer Puls vor Detaildiskussion“).
· Wiederholung: Ein Mini-Ritual im Team (2 Minuten reichen), damit es nicht als „schöner Tag“ verpufft.
Wie können Führungskräfte das bewusst integrieren?
Erste kleine Schritte, die einen sofort und ohne Aufwand ins tun bringen sind oft die Wichtigsten:
Beispiele:
· Pulse-Check-in: „Wie ist unser Tempo gerade – zu schnell, zu träge, stimmig?“
· Hören vor Handeln: In Meetings erst 30 Sekunden „sammeln“ statt sofort lösen.
· Rollen klären: Wer hält heute den Rahmen, wer bringt Impulse, wer stabilisiert?
· Fehler nutzen: Irritation = Signal, kurz neu ausrichten statt weitermachen wie bisher.
Dein wichtigster Impuls an Führungskräfte: Wie Teamevents nutzen, um Verbindung & Führung wirklich zu stärken?
Nutzt Teamevents nicht als Belohnung oder Bespaßung, sondern als Trainingsraum für Beziehung, Vertrauen und Steuerung.
Die beste Haltung ist: „Ich komme nicht, um zu glänzen, sondern um Zusammenspiel zu ermöglichen.“
Wer so reingeht, nimmt nicht nur Spaß mit, sondern auch Erkenntnisse bezüglich Präsenz, Timing, Vertrauen und die Idee von einem gemeinsamen Puls, der trägt.
Vielen Dank für das Gespräch!
Ihr Kontakt zu Teamdrumming:
Helge Rosenbaum
teamdrumming
Haarhausstraße 1
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(Bildquelle: teamdrumming)