• Governance
  • Spezial
  • Zukunft

Führung im Rhythmus —
Daniel Bauer im Interview mit Teamdrumming

09.09.2026
  • Governance
  • Spezial
  • Zukunft

Was passiert mit Führung und Zusam­me­nar­beit, wenn Worte in den Hinter­grund treten und stattdessen ein gemein­samer Rhyth­mus entsteht?

Diese Erfahrung konnten wir bere­its selb­st machen: Bei einem Teamevent mit Helge Rosen­baum und team­drum­ming hat die Crew von Valdivia erlebt, wie schnell gemein­sames Trom­meln Dynamiken im Team sicht­bar und spür­bar macht.

Im Gespräch mit Daniel Bauer von Valdivia beschreibt Helge Rosen­baum von team­drum­ming, welche Verhal­tens­muster beim gemein­samen Trom­meln sicht­bar werden, was Führungskräfte dabei über Kontrolle, Präsenz und Loslassen lernen können – und wie sich die Erfahrun­gen aus einem Teamevent in den Arbeit­sall­t­ag über­tra­gen lassen.

Daniel Bauer:

Mit welch­er Haltung starten die Teil­nehmenden eines Team­drum­ming-Events, und was verän­dert sich schon in den ersten Minuten?

Helge Rosenbaum:

“Viele kommen mit einer „Busi­ness-Haltung“: beobach­t­end, kontrol­liert und natür­lich skep­tisch („Mal sehen, was das wird…“). In den ersten Minuten kippt das oft, weil der Körp­er schneller reagiert als der Kopf: Das Erleben ist unmit­tel­bar. Sobald die ersten gemein­samen Rhyth­men entste­hen, sieht man häufig, dass Schul­tern runter gehen und das Lächeln kommt. Dann wird aus „Ich bewerte“ ein „Ich bin Teil davon“. Die Teil­nehmenden bemerken aber auch schnell, daß Musik sehr viel mit dem eige­nen „Geschäft“ zu tun hat.

Was zeigt sich beson­ders deut­lich, wenn Worte in den Hinter­grund treten?

Dann geht es in der Führung um Beziehung und Timing. Wer hört wirk­lich zu? Wer gibt Raum? Wer dominiert? Wer orien­tiert sich am Ganzen statt am eige­nen Impuls?
Ohne Sprache bleiben nur Präsenz, Klarheit und Kontak­t­fähigkeit. Und genau hier werden Muster schnell deut­lich, die beispiel­sweise im Meet­ing oft gut verpackt sind.

Welche Rolle spie­len Kontrolle und Loslassen und was lernen Führungskräfte genau darüber?

Kontrolle zeigt sich als „festhal­ten am richti­gen Ergeb­nis“: Tempo drück­en, korrigieren, andere „mitziehen“. Loslassen heißt: Rahmen halten + zuhören + fein steuern.
Das Learn­ing ist meist sehr konkret:
• Kontrolle erzeugt kurzfristig Ordnung, aber oft auch weniger Eigenini­tia­tive und weniger Groove.
• Loslassen ohne Rahmen erzeugt Frei­heit, aber auch Unschärfe.
Die wirk­same Mitte ist: klare Impulse geben und trotz­dem dem Team zutrauen, den Puls selb­st zu tragen.

Überraschende/untersschätzte Side Learn­ings – was beobacht­est du am häufigsten?

· Fehlerkul­tur: Irri­ta­tio­nen sind kein Scheit­ern, sondern Mate­r­i­al für Neuausrichtung.
· Mikro-Kommu­nika­tion: Ein Blick, eine Geste, ein Atemzug kann mehr führen als zehn Sätze.
· Energie-Manage­ment: Wer zu viel „macht“, wird laut, aber nicht wirksam.
· Rollen­be­wusst­sein: Nicht jede Führungskraft muss immer vorne stehen. Manch­mal ist der stärk­ste Beitrag zu stabil­isieren, zu unter­stützen und zu verbinden.

Typis­che Aha-Momente, in denen Führungskräfte ihre Wirkung neu verstehen?

Mögliche Erken­nt­nisse (Beispiele):

„Immer wenn ich Druck mache, bricht das Zusam­men­spiel ab.“
„Wenn ich nur kurz still werde und wirk­lich höre, wird das Team plöt­zlich präziser.“
„Ich dachte, ich helfe – aber ich über­s­teuere gerade alles.“
„Wenn ich nur kurz still werde und wirk­lich höre, wird das Team plöt­zlich präziser.“
„Ich habe ‘Kontrolle’ mit ‘Sicher­heit’ verwechselt.“

Und sehr viele mehr. Viele merken, dass ihre innere Haltung wie ein Takt­ge­ber funk­tion­iert. Dabei färbt nicht das Was das System, sondern die Art wie man da ist.

Was macht Team­drum­ming sicht­bar, das im Arbeit­sall­t­ag oft verbor­gen bleibt?

Es macht in Echtzeit Zusam­men­spiel, Reso­nanzfähigkeit und die Notwendigkeit eines gemein­samen Referen­zpunkt sichtbar:

· Wer orien­tiert sich am gemein­samen Ziel?
· Wie geht das Team mit Unsicher­heit um?
· Wo fehlt ein gemein­samer Puls (Prior­itäten, Entschei­dungslogik, Vertrauen)?

Im Allt­ag wird das oft mit Worten überdeckt. Im gemein­samen musikalis­chen Prozess wird die Qual­ität des Miteinan­ders sehr schnell hörbar.

Inwiefern wird Führungsver­hal­ten im gemein­samen Rhyth­mus unbe­wusst gespiegelt?

Sehr direkt: Führung wirkt wie ein „Referen­zsig­nal“. Wenn eine Führungskraft hektisch wird, wird das Ensem­ble oft unruhig. Bleibt sie stabil, wirkt dies auch stabil­isierend auf das Ensem­bl. Das ist wie ein Spiegel der eige­nen Haltung: Timing, Klarheit, aber auch Unsicher­heit etc. werden im gemein­samen Puls sicht- und hörbar.

Was entschei­det, ob ein Team­build­ing — oder Work­shop mit Team­drum­ming später noch Wirkung zeigt?“

Drei Dinge:

  1. Benen­nung: Was genau war unser Muster – und was war die Alter­na­tive, die funk­tion­iert hat?
  2. Über­set­zung: 1–2 klare Prinzip­i­en in Allt­agssprache (z. B. „erst hören, dann steuern“ / „ein gemein­samer Puls vor Detaildiskussion“).
  3. Wieder­hol­ung: Ein Mini-Ritu­al im Team (2 Minuten reichen), damit es nicht als „schön­er Tag“ verpufft.

Wie können Führungskräfte das bewusst integrieren?

Erste kleine Schritte, die einen sofort und ohne Aufwand ins tun brin­gen sind oft die Wichtigsten:

Beispiele:

Pulse-Check-in: „Wie ist unser Tempo gerade?“ („zu schnell, zu träge, stim­mig“ rausnehmen)

Hören vor Handel­nIn Mettings erst 30 Sekun­den „sammeln statt sofort zu lösen“

Fehler nutzen: Irri­ta­tion = Impuls: Was ist gut daran? Was können wir daraus lernen?

Dein wichtig­ster Impuls an Führungskräfte: Wie Teamevents nutzen, um Verbindung & Führung wirk­lich zu stärken?

Grund­sät­zlich soll­ten Teamevents neben dem Erleben auch konkrete Impulse liefern. Musik als Analo­gie bildet u.a. essen­zielle Prinzip­i­en erfol­gre­ich­er Zusam­me­nar­beit ab. Sie fordert und fördert Fähigkeit­en, die jedes starke Team braucht. Musik hilft Teams, einge­fahrene Muster zu verlassen und neue Lösun­gen zu find­en für aktuelle Heraus­forderun­gen, vor die uns eine komplexe Welt stellt. Sie schafft einen sicheren Raum zum Exper­i­men­tieren und Lernen.

Vielen Dank für das Gespräch!

Ihr Kontakt zu Teamdrumming:

Helge Rosen­baum
teamdrumming
Haarhausstraße 1
42115 Wuppertal

T +49 173 6 95 70 60
info@teamdrumming.com
www.teamdrumming.com

 

(Bildquelle: team­drum­ming)

Cookie-Einstellungen

Diese Website verwendet Cookies, damit wir Ihnen die bestmögliche Benutzererfahrung bieten können. Die Cookie-Informationen werden in Ihrem Browser gespeichert und dienen unter anderem dazu, Sie wiederzuerkennen, wenn Sie zu unserer Website zurückkehren, und unserem Team dabei zu helfen, zu verstehen, welche Abschnitte der Website Sie am interessantesten und nützlichsten finden.

Unbedingt notwendige Cookies

Unbedingt notwendige Cookies sollten jederzeit aktiviert sein, damit wir Ihre Einstellungen für die Cookie-Einstellungen speichern können.

Cookies von Drittanbietern

Diese Website verwendet Google Analytics, um anonyme Informationen wie die Anzahl der Besucher der Website und die beliebtesten Seiten zu sammeln.

Wenn Sie dieses Cookie aktiviert lassen, können Sie unsere Website verbessern.