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Digitale Transformation in der Immobilienwirtschaft

01.04.2025
  • Governance

Wohin führt uns die Digi­tal­isierung der Immo­bilien­wirtschaft? Auf welche Heraus­forderun­gen und Themen soll­ten Führungskräfte sich vorbere­it­en? Die digi­tale Trans­for­ma­tion erfasst immer neue Bere­iche und entwick­elt sich ständig weit­er. Einzelne Aspek­te wie Anwen­dun­gen im Market­ing oder die Vernet­zung von Quartieren haben wir bere­its im Valdivia News­room ange­sprochen. In diesem Beitrag werfen wir nun aus Entschei­der­per­spek­tive einen Blick auf das Gesamt­bild der digi­tal­en Trans­for­ma­tion unser­er Branche – und damit auf Faktoren, um Unternehmen langfristig wettbe­werb­s­fähig zu erhalten.

Chan­cen erken­nen & nutzen

Die digi­tale Trans­for­ma­tion erscheint oft als Schlag­wort, über dessen Bedeu­tung viel, über dessen Inhalte und Umset­zung jedoch nur wenig gesagt wird. Exem­plar­isch haben wir daher drei Studi­en zu Rate gezo­gen, die speziell für die Bau- und Immo­bilien­branche die mittel­fristi­gen Themen und Ziele der digi­tal­en Trans­for­ma­tion beschreiben:

(1) Gebäude lernen denken

Schon 2021 beschrieb eine BVDW-Studie1 die Bedeu­tung von Smart Build­ing „für die nach­haltig geplante Stadt von heute und morgen“. Umris­sen werden dort auch Entwick­lungss­chritte, die selb­st aus heutiger Sicht noch in der Zukun­ft liegen: Einzelne Gebäudesys­teme werden schon bald lernen, autonom miteinan­der zu agieren, Daten zu inter­pretieren und Prog­nosen zu erstellen. Der finale Reifeschritt ist dann die Inte­gra­tion des Gebäudes in das über­ge­ord­nete System einer „Smart City“.

Die Studie weist auch auf prak­tis­che Umset­zungs­fak­toren hin, die bere­its heute beachtet werden soll­ten. So müssen Planung und damit Teamkom­pe­ten­zen – z. B. Elek­troan­lage und Cyber­sicher­heit – oft in neuer, koor­diniert­er Form organ­isiert werden.

(2) Prop Techs als Vorreiter 

Prop Techs konzen­tri­eren sich unmit­tel­bar auf digi­tale Anwen­dun­gen für die Immo­bilien­wirtschaft. Damit nehmen sie heute vorweg, was für das Bauen, das Immo­bilien­man­age­ment oder auch den Immo-Finanzbere­ich bald auch in der Breite rele­vant wird. Eine aktuelle Black­print-Studie2 beschreibt u.a., woraus PropTechs heute die stärk­ste Wertschöp­fung gewin­nen. Dies verweist zugle­ich auf die besten Chan­cen, durch Digi­tal­isierung einen lohnen­den Return-on-Invest­ment zu erzielen:

  • Finanzieren, Bewerten & Investieren (zu 75 %)
  • Planen & BIM (zu 74 %)
  • Asset- & Port­fo­lioman­age­ment (zu 69 %)
  • Projek­ten­twick­lung & Smart City (zu 66 %)
  • Bauen, Sanieren, Bewirtschaften, Instand­hal­ten (zu 64 %)

Eine weit­ere Frage der Studie war, welche Verän­derungstreiber in Zukun­ft eine Rolle für die Immo­bilien­branche spie­len werden. Unter den Top-Ten-Antworten find­en sich nicht nur bekan­nte wie Künstliche Intel­li­genz und die vernet­zte Smart City. Stärkere Bedeu­tung werden der Studie zufolge auch neue, tech­nolo­giebasierte Geschäftsmod­elle, das „Inter­net of Things“ und vernet­zte „Busi­ness Ecosys­tems“ erhalten.

(3) „Alles bleibt anders“

Einen Blick ins Jahr 2033 wirft eine weit­ere Studie3. Sie beschreibt ein breites Spek­trum allge­mein­er Entwick­lungsper­spek­tiv­en, die alle einen hohen Digi­tal­isierungs­grad voraussetzen:

  • die Planung für ein kreis­lauf­fähiges Bauen nach Cradle-to-Cradle-Designprinzipien,
  • die Trans­for­ma­tion der Energiewirtschaft zu Nach­haltigkeit und CO2-Neutral­ität,
  • smarte Mobil­ität in smarten Städten,
  • wand­lungs­fähige Multi-Use-Gebäude – auch als Basis für neue Geschäftsmodelle,
  • vernet­zte, sich selb­st organ­isierende Smart Buildings,
  • der Einsatz Künstlich­er Intel­li­genz für das Prop­er­ty- und Asset­man­age­ment, zur Planung und Steuerung eines modu­laren Bauens bis hin zu autarken Robot­ern auf der Baustelle oder die Schaf­fung virtueller Architek­turen im Metaverse.

Als Denkanstoß steht der letzte Abschnitt der Studie unter der Über­schrift „Alles bleibt anders“, denn „es werden Entwick­lun­gen eintreten, die wir heute noch nicht abse­hen können.“ – auch lesbar als Hinweis auf die Nützlichkeit agiler Meth­o­d­en, um kommenden Heraus­forderun­gen zu begegnen.

Künstliche Intel­li­genz kompe­tent einsetzen

Seit Ende 2022 Chat­G­PT öffentlich zugänglich wurde, ist Künstliche Intel­li­genz der Motor und das Schweiz­er Taschen­mess­er der digi­tal­en Trans­for­ma­tion. Doch auf welche Aspek­te müssen Unternehmen acht­en, um hier sich­er zu navigieren und den Anschluss zu behalten?

Der Busi­nes­s­an­a­lyst Lünen­donk hat dazu jüngst 150 Führungskräfte aus Unternehmen und Behör­den im deutschsprachi­gen Raum befragt4. Wie sich zeigte, fehlt es nicht an Bekan­ntheit: 83 % nutzen Chat­G­PT. Doch nur in 3 % der befragten Unternehmen ist KI bere­its voll­ständig inte­gri­ert; immer­hin 34 % waren Ende 2024 in der Erprobungsphase. Inter­es­sant für Entscheider:innen sind beson­ders die in der Studie genan­nten Risiken, die es zu adressieren und zu vermei­den gilt:

  • Die Entwick­lung eigen­er KI-Lösun­gen braucht Know-how und Skills; daran fehlte es noch bei 56 % der Befragten.
  • Schon in näch­ster Zukun­ft ist mit einem wach­senden Wettbe­werb­s­druck zu rech­nen: 77 % der Unternehmen woll­ten Ende 2024 ihre digi­tale Trans­for­ma­tion mit KI-Hilfe beschleunigen.
  • Klarheit über den EU AI Act und eine regelkon­forme Umset­zung sind unab­d­ing­bar für einen rechtssicheren KI-Betrieb. Zum Zeit­punkt der Befra­gung waren 71 % immer noch unsich­er hinsichtlich Umset­zung und Haftungsrisiken.
  • Wo für Mitar­bei­t­ende ein ungeregel­ter Zugang zu KI-Tools und ‑Syste­men möglich ist, kann sich leicht eine soge­nan­nte „Schat­ten-KI“ bilden. Dies ist nicht erst durch den EU AI Act zu einem rechtlichen und finanziellen Risiko gewor­den: Schat­ten-KIs gefährden den Daten­schutz und die Integrität der Ergebnisse.

Durch Agilität Schritt halten

Für die Entwick­lung digi­taler Systeme bietet agiles Arbeit­en deut­liche Vorteile. Es befähigt Unternehmen, schnell auf Verän­derun­gen zu reagieren. Führungskräfte geben die Ziele und Rahmenbe­din­gun­gen vor; die Teams entschei­den eigen­ständig, wie sie diese Ziele erreichen.

Auf den ersten Blick scheint die Bau- und Immo­bilien­branche kaum zu einem agilen Projekt-Handling zu passen. So kam noch 2019 eine Studie zu dem Schluss5:  “Die Immo­bilien­branche eignet sich nicht wirk­lich für ein Agiles Manage­ment.” Dennoch halten die Autor:innen bei Digi­tal­isierung, Organ­i­sa­tion und Führung agile Verfahren für möglich, sogar ratsam. Ansätze dazu haben wir bere­its im Valdivia News­room vorgestellt. Für die Erfol­gsaus­sicht­en mögen Erfahrun­gen aus dem Bankensek­tor sprechen, wo man schon früher die Vorteile agiler Projek­te beobacht­en konnte6:

  • zu 96 % schnelleres Time-to-Market & Respond-to-Change
  • zu 69 % verbesserte Trans­paren­cy & Business/IT Alignment
  • zu 62 % erhöhte Ergebnisqualität
  • zu 58 % verbesserte Mitarbeiterzufriedenheit
  • zu 50 % attrak­ti­vere Arbeitgeberplatzierung

Die Studie betont, dass die erre­icht­en Werte auch deut­lich über den Erwartun­gen lagen. Dies kommt nicht von unge­fähr: So löst agiles Arbeit­en unab­hängig von Branche oder Inhal­ten bei den Mitar­bei­t­en­den einen Moti­va­tion­ss­chub aus, da sie „von der größeren Autonomie und dem Gewinn an Entschei­dungs­frei­heit begeis­tert“ sind.

Auch als Entscheider:in agil handeln

Ob zu Planung und Real­isierung smarter Gebäude, dem Prop­er­ty- und Asset­man­age­ment oder einer Stärkung der Arbeit­ge­ber­at­trak­tiv­ität – auch in der Immo­bilien­wirtschaft führt heute kein Weg mehr an der Digi­tal­isierung vorbei. Und dieser Weg kann immer notwendi­ger nur ein agiler sein; zu rasch und unvorherse­hbar sind die Entwick­lun­gen, als dass herkömm­liche, starre Planungsmeth­o­d­en dem noch gerecht werden könnten.

Die agile Arbeitsweise entlastet Sie als Führungskräfte aber nicht nur von Detailpla­nung und sekundären Manage­ment-Aufgaben. Sie hilft Ihnen auch unmit­tel­bar, denn bei der Strate­gieen­twick­lung, der Alloka­tion von Ressourcen oder der Opti­mierung der Zusam­me­nar­beit im Unternehmen sind agile Meth­o­d­en auf Entschei­derebene eben­falls beson­ders wirksam.

Quel­len­verze­ich­nis

  • „Smart Build­ings — Erfol­gskri­tis­che Trends und Anwen­dungs­fälle für Gebäude­pla­nung und Betrieb“, Hrsg. Bundesver­band Digi­tale Wirtschaft (BVDW) e. V., 2021
  • „Prop Tech Germany“, Hrsg. Black­print und TH Aschaf­fen­burg, Dezem­ber 2024
  • „10 Zukun­ft­s­the­sen für die Bau- & Immo­bilien­wirtschaft“, Hrsg. Drees & Sommer, 2023
  • „Gener­a­tive AI: Von der Inno­va­tion bis zur Mark­treife“, Hrsg. Lünen­donk & Hossen­felder, 2024
  • PMRE MONITOR Spezial „Process Manage­ment Real Estate Moni­tor – Wie viel Agilität verträgt die Immo­bilien­wirtschaft?“, Hrsg. htw Hochschule für Tech­nik und Wirtschaft Berlin und CCTM Consult­ing, 2019
  • „Agilität in Banken“, Hrsg. Der Bank Blog, 2020

(Image source: istockphotos)