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Management für
Gewerbeimmobilien:
Neue Rollen, neue Chancen

19.05.2026
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Management für Gewerbeimmobilien mit ESG, KI und neuen Führungsrollen

Wie können Gewer­beim­mo­bilien-Unternehmen den Heraus­forderun­gen durch schwache Konjunk­tur, Trans­for­ma­tion der Arbeitswelt und ESG-Regu­la­torik begegnen?

Eine Studie der Hochschule Biele­feld und des Europäis­chen Bildungszen­trums der Wohnungs- und Immo­bilien­wirtschaft (EBZ)1 liefert eine wertvolle Orien­tierung. Im Mittelpunkt stehen dabei verän­derte Rollen­bilder für Mitar­bei­t­ende wie Führungskräfte. Im Valdivia Lead­er­ship Impulse stellen wir die zentralen Ergeb­nisse der Studie vor – gemein­sam mit einem Beispiel aus der Prax­is: Ähnlich den Firmen­woh­nun­gen zeigt der Trend zu Gewer­be­höfen, wie historische Modelle durch inno­v­a­tives Denken wieder­belebt werden.

Heraus­forderun­gen und Chan­cen – Treiber der Transformation 

Unternehmen der Gewer­beim­mo­bilien­wirtschaft stehen heute vor einer Reihe tief­greifend­er Veränderungen:

  • Digi­tal­isierung und ESG-Regeln üben einen hohen Inno­va­tions­druck aus, der Neubau und Bestand gleicher­maßen trifft.
  • Die Verän­derun­gen in Arbeitswelt, Handel und Start-ups schaf­fen neue Bedarfe und Chan­cen, aber auch Unsicher­heit­en für Planung und Investitionen.
  • Die anhal­tende Konjunk­tur­flaute und das allge­mein getrübte Wirtschaft­skli­ma wirken sich nicht nur auf die Branche selb­st aus. Anders als bei Wohn­im­mo­bilien beein­trächti­gen sie auch die Mieter:innen, die als Unternehmen gewin­nori­en­tiert arbeiten.

Posi­tiv vermerkt die EBZ-Studie, dass Faktoren wie die Glob­al­isierung, die neue Arbeit­skul­tur und der KI-Einsatz auch Poten­ziale für Wertschöp­fung und Effizien­zsteigerung bieten.

Mehr Daten, mehr Service – Geschäftsmod­elle für die Zukunft

Um tragfähige Ausgangspunk­te zu iden­ti­fizieren, unter­sucht die Studie zuerst, welche Änderun­gen sich in den Geschäftsmod­ellen der befragten Unternehmen abze­ich­nen. Grund­bausteine wie Investi­tion, Bau, Vermit­tlung, Betreu­ung und Bewirtschaf­tung bleiben beste­hen. Die Schw­er­punk­te verschieben sich jedoch stärk­er in Rich­tung Zukunftsorientierung:

  • Digi­tal­isierung, Daten­basierung und KI bilden zukün­ftig auch für Gewer­beim­mo­bilien-Unternehmen die Grund­lage des Handelns.
  • Investi­tio­nen bei Neubau wie Bestandssanierung zielen auf multi­funk­tionale, nutzungsvari­able, digi­tal­isierte und ESG-konforme Immobilien.
  • Die Unternehmen suchen eine breit­ere Ertrags­ba­sis durch Anpas­sung ihrer Asset-Struk­tur und den Ausbau zusät­zlich­er Geschäfts­felder wie einem effizien­ten Prop­er­ty-Manage­ment und zusät­zlichen Serviceleistungen.

Mit dem drit­ten Punkt verbun­den ist eine Stärkung der Kunde­nori­en­tierung und ein Ausbau von Beratungsleis­tun­gen für Investor:innen und Mieter:innen.

Substi­tu­tion oder Erweiterung – Aufgaben verschieben sich

Im zentralen Teil der Studie analysieren die Autor:innen, welche Rollen bzw. Aufgaben künftig

  1. durch Digi­tal­isierung und insbeson­dere KI substi­tu­iert werden können,
  2. Entwick­lungs­be­darf erken­nen lassen,
  3. auf beste­hen­der Basis erweit­ert und verän­dert werden sollten,
  4. mit der Trans­for­ma­tion neu entste­hen bzw. notwendig werden.

Rollen mit Substi­tu­tionspoten­zial der Gruppe A sind in der Regel nachge­lagerte analytis­che oder admin­is­tra­tive Aufgaben wie zum Beispiel Mark­t­analy­sen und ‑über­sicht­en oder die Aufbere­itung von Unternehmens­dat­en für die Berichter­stat­tung. Mitar­bei­t­ende, die in diesen Bere­ichen tätig sind, werden entlastet und können für neue Aufgaben geschult und einge­set­zt werden, wie sie in Gruppe C und D im Vorder­grund stehen.

Aufgaben der Gruppe C sind vor allem solche, für die Mitar­bei­t­ende zusät­zliche Kompe­ten­zen erwer­ben soll­ten. Dies sind u.a. strate­gis­ches Denken, Kunde­nori­en­tierung, Beratungskom­pe­tenz, Data Liter­a­cy, die ESG-Trans­for­ma­tion, Projek­t­man­age­ment oder Betriebs- und Volk­swirtschaft. Führungskräfte sind damit ange­sprochen, die Wach­s­tumspoten­ziale ihrer Mitar­bei­t­en­den zu fördern und so einzuset­zen, dass sie selb­st Verant­wor­tung abgeben und sich auf über­ge­ord­nete Aufgaben konzen­tri­eren können.

Führung mit neuem Horizont

Klas­sis­che Führungsrollen wie Unternehmensleitung, Invest­ment, Asset-Manage­ment, Finance, Legal, HR und Öffentlichkeit­sar­beit find­en sich zunächst in Gruppe B. Auch wenn solche Rollen mehrheitlich erhal­ten bleiben, werden sie sich laut Einschätzung der Studienteilnehmer:innen deut­lich verän­dern. Die Digi­tal­isierung erre­icht Führungskräfte unmit­tel­bar – etwa in Form der Fähigkeit, KI anzuwen­den oder Daten zu nutzen und zu bewerten. Daneben wächst der Bedarf an poly­math­is­ch­er Führung, also einer breit­en, akademis­chen Kompe­tenzba­sis, kombiniert mit inter­na­tionalen, branchenüber­greifend­en Erfahrun­gen und einem informierten Umgang mit der Kultur einer hybri­den, digi­tal­isierten Arbeitswelt.

Neue Rollen im Management

Beson­ders gefordert sind Führungskräfte wie Mitar­bei­t­ende bei den zukun­ft­sori­en­tierten Rollen der Gruppe D. Hier geht es in Planung, Ermöglichung und Umset­zung um – teil­weise grundle­gend – neue Aufgaben. Die EBZ-Studie nennt einige konkrete Beispiele, die je nach Zuschnitt des Unternehmens auch neue Posi­tio­nen auf Führungsebene nahelegen:

  • Entwick­lung und Vermark­tung eines Service-Port­fo­lios, verant­wortet z. B. durch einen Chief Inno­va­tion Offi­cer (CINO)2,
  • gemein­samer Aufbau einer Digi­tal­isierungs­ba­sis durch Data Science, ERP, Digi­tal­isierungs- und KI-Manage­ment unter Leitung eines Chief AI & Data Offi­cers (CAIDO)2,
  • ein ESG-Manage­ment, das ESG-Kompe­ten­zen, ‑Umset­zung und ‑Berichtswe­sen bündelt,
  • eine immo­bilien­be­zo­gene Strate­gieber­atung mit Asset-Fokus, die andere Unternehmen dabei begleit­et, eine eigene Immo­bilien­strate­gie zu entwick­eln, pass­ge­naue Immo­bilien zu find­en und Dien­stleis­tun­gen abzuleiten.

Mit dieser trans­for­ma­tiv­en Entwick­lung steigen auch die Bedeu­tung und Aufgaben des Personal­man­age­ments. Eine anspruchsvollere Rekru­tierung und der hohe Bedarf an Kompe­ten­zen­twick­lung weist Funk­tio­nen wie einem Chief People and Culture Offi­cers (CPCO) oder Chief Talent Trans­for­ma­tion Offi­cers CTTO) „zukün­ftig Schlüs­sel­rollen bei der Organ­i­sa­tion­sen­twick­lung zu“.

Der Makler als Brückenbauer

Wie inno­v­a­tives Busi­ness-Devel­op­ment für Gewer­beim­mo­bilien-Unternehmen in der Prax­is ausse­hen kann, zeigt ein Beispiel im AIZ Immo­bilien­magazin3: Gewer­be­höfe entwick­eln sich zunehmend „von der Nischen­im­mo­bilie zum stabilen Invest­ment“. Sie „kombinieren urbane Nähe, klein­teilige Nutzung und ESG-taugliche Baukonzepte“. Diese im Prinzip seit dem Mitte­lal­ter existierende Immo­bilien­form erfreut sich zunehmender Nachfrage.

Der Autor beschreibt die neue Rolle des Maklers bei der Entste­hung als die eines „Brück­en­bauers zwis­chen Eigen­tümern und Entwick­lern“. Dies bedeutet eine neue Art der Vermit­tlung: „weniger klas­sis­che Objek­t­suche, mehr kuratierte Beratung. Entschei­dend sind Bedarf­s­analy­sen, Clus­ter-Kennt­nis und tech­nis­che Exper­tise.“ Damit beschreibt er genau die Folgerun­gen der EBZ-Studie: Eine zukun­ft­sori­en­tierte Führungsrolle entwick­elt neue Ideen und Fähigkeit­en im Unternehmen und skaliert sie zu einem inno­v­a­tiv­en Serviceangebot.

Fazit

Unternehmen der Gewer­beim­mo­bilien-Wirtschaft find­en heute in vielen Heraus­forderun­gen wie der Digi­tal­isierung oder einer verän­derten Arbeit­skul­tur auch Chan­cen zum Wandel – voraus­ge­set­zt, sie verste­hen, dass eine Neube­w­er­tung ihrer Aufgaben und Prozesse bis hin zum Geschäftsmod­ell nötig ist. Wer „out of the box“ denkt, kann über zusät­zliche Kompe­ten­zen und inno­v­a­tive Serviceleis­tun­gen die Dynamik des Wandels als Erfol­gstreiber nutzen. Eine Substi­tu­tion automa­tisier­bar­er Aufgaben setzt dazu die Kapaz­itäten frei; neue Rollen­bilder in der Unternehmensführung erle­ichtern die Trans­for­ma­tion durch fach- und siloüber­greifende Perspektiven.

Quellen

  1. Dr. Sascha Armu­tat, Rüdi­ger Grebe, „Strate­gien, Betrieb­smod­elle und Belegschaften von Unternehmen der Gewer­beim­mo­bilien­wirtschaft im Wandel – Orien­tierungspunk­te zukun­ft­sori­en­tiert­er Belegschaftsstruk­turen“, Hochschule Biele­feld / EBZ – Europäis­ches Bildungszen­trum der Wohnungs- und Immo­bilien­wirtschaft, März 2025
  2. „Towards the C‑Suite 2035“, Robert Half Board Room Navi­ga­tor, 2025
  3. Jakob Peters, „Gewer­be­höfe als Zukun­fts­markt für die Vermit­tlung“, AIZ – Das Immo­bilien­magazin, Novem­ber 2025

(Bildquelle: istockphotos.com)