• Zukunft

Aldea Infantil, Guatemala:
Zu Besuch bei Freunden

21.06.2023
  • Zukunft

„Was uns während unseres gesamten, viel zu kurzen Besuchs am meis­ten berührt und begeis­tert hat, waren die Lebens­freude und Zuver­sicht der Kinder wie der Erwach­se­nen.“ – Daniel Bauer, Valdivia.

Bere­its seit 2021 unter­stützt Valdivia das Kinder­dorf „Aldea Infan­til Rudolf Walther“ im Hochland Guatemalas. Im April 2023 war es endlich so weit: Daniel Bauer und seine Fami­lie konnten sich selb­st ein Bild von „unserem“ Kinder­dorf machen. Das Aldea Infan­til wurde 1991 von der Stiftung Kinderzukun­ft gegrün­det. Es liegt im Hochland Guatemalas und bietet heute ca. 160 Kindern Schutz, Gebor­gen­heit und ein Zuhause.

„Es war für uns von Anfang an wichtig, dass die Stiftung Kinderzukun­ft auf so niveau­volle und zugle­ich menschliche, beschei­dene Weise ihre Arbeit darstellt und vor allem auch den persön­lichen Kontakt fördert. Besuche vor Ort in den unter­stützten Projek­ten und bei Patenkindern sind hochwillkom­men und hervor­ra­gend organ­isiert. Die Kinder und Mitar­bei­t­en­den dort waren von Beginn an keine anony­men Geldempfänger für uns. Heute sind sie durch den aktiv­en Austausch und beson­ders das persön­liche Kennen­ler­nen ein Teil unseres Lebens gewor­den.“ – so Daniel Bauer.

Das Aben­teuer beginnt

Via Hous­ton ging es zuerst nach Guatemala City. Am näch­sten Morgen stand pünk­tlich Jerson vor dem Hotel, der Fahrer und Tour­guide des Aldea Infan­til, der die Fami­lie die ganze, lange Fahrt über mit Infor­ma­tio­nen zu dem Dorf und dem Leben in Guatemala versorgte.

Nun begann ein echt guatemal­tekisches Aben­teuer. Statt der geplanten dreiein­halb Stun­den dauerte die Fahrt volle sechs und bot direk­te Eindrücke des bitter­ar­men Landes: Tankstellen, die von schwer­be­waffneten Polizis­ten bewacht wurden. Armut von kaum vorstell­barem Ausmaß. Dörfer aus verstreuten, einzel­nen Häusern ohne die für uns selb­stver­ständlichen Einrich­tun­gen wie Strom und fließend Wass­er; die näch­sten Wasser­stellen liegen oft einen kräfti­gen Fußmarsch entfer­nt. Hals­brecherisch schmale Bergstraßen, auf denen ein Stau dennoch von einem der bunten „Chick­en Busse“ über­holt wurde; die Fahrer haben bei Verspä­tun­gen empfind­liche Strafen zu zahlen.

Am Ziel – das Kinder­dorf Aldea Infantil

Umso ansprechen­der präsen­tierte sich am Rand des Städtchens Salca­já das weitläu­fige Kinder­dorf. Auf 35 Hektar Land stehen dort unter anderem 18 Grup­pen-Wohn­häuser, Verwal­tungs­ge­bäude, Gästea­part­ments, Ausbil­dungswerk­stät­ten, eine Schule, ein Kinder­garten sowie ein Gesund­heit­szen­trum, in dem auch Kinder aus der Umge­bung versorgt werden. Rund­herum bieten Grün­flächen Platz zum Spie­len. Es gibt einen Fußballplatz, ein Basket­ballfeld, einen Schul­gar­ten, ausgedehnte Land­wirtschafts­flächen und ein Stück Wald. Daneben betreibt die Stiftung Kinderzukun­ft in der Region zwei Außen­stellen: kleine Schulen, in denen die Kinder der Umge­bung die wichtig­sten Kennt­nisse erler­nen – ein Hoff­nungss­chim­mer in einem von Korrup­tion beherrscht­en Land, in dem der Staat sich in kein­er Weise um Versorgung, Schutz und Bildung der Kinder kümmert.

Daniel Bauer: „Der Kontrast ist geradezu schmerzhaft: Wenn man dort sieht, wie mit wenig Geld schon so vieles zu schaf­fen ist, wünscht man sich nur, immer noch mehr tun zu können!“

Valdivia unter­stützt gezielt das Haus Nummer 5. Wie in jedem der Wohn­häuser leben die Kinder hier – oft zum ersten Mal im Leben – in einem gefes­tigten Fami­lien­ver­bund aus bis zu neun „Geschwis­tern” und einer Fami­lien­mut­ter. Die Häuser sind solide gebaut, pein­lich sauber, mit Schlafräu­men für je zwei oder vier Kinder, einem für die Haus­mut­ter sowie Küche und Bad.

Wie ein Besuch bei der Familie

Die gesamte Dorfleitung war versam­melt, um die Besuch­er aus Deutsch­land zu begrüßen. Bei Tee und Keksen war das Eis rasch gebrochen. Ohne Scheu ging man aufeinan­der zu. Fröh­lich­es Durcheinan­der von Deutsch, Englisch und Spanisch schwirrte durch den Raum. „Wir fühlten uns nicht als Fremde, sondern prak­tisch sofort als ein Teil der Fami­lie,“ berichtet Daniel Bauer – ein Gefühl, das sich die ganze Zeit über erhielt und eher noch verstärkte.

Nicht ganz zufäl­lig hatte Daniel Bauers Tochter just am kommenden Tag Geburt­stag, und die Kinder des Dorfs ließen sich diesen Anlass nicht nehmen, für eine zünftige Feier zu sorgen. „Es war eindeutig keine ‚Pflichtver­anstal­tung‘ für uns als Besuch­er, sondern ein Fest, das die Kinder auch für sich feierten“, erläutert Daniel Bauer. Entsprechend der Liebling­sheldin des Geburt­stagskindes war die Deko­ra­tion rundum auf das Thema Meer­jungfrau ausgerichtet. Es gab reich­lich Kuchen, Pizza und lokale Gerichte, letztere größ­ten­teils aus selb­st ange­baut­en Zutat­en, und – wie es sich für einen Kinderge­burt­stag in Guatemala gehört – eine große, gut gefüllte Piña­ta.

Freunde in der Fremde

Die Feier war sich­er ein High­light, doch keine Ausnahme. Ganz selb­stver­ständlich wurden die Bauers in das Leben des Dorfes einbe­zo­gen. Sie aßen mit der „Fami­lie“ aus Haus Nummer 5. Schnell freun­de­ten sich die deutschen Kinder trotz der Sprach­bar­riere mit ihren Altersgenossen an und spiel­ten miteinan­der. Beim Besuch einer Schulk­lasse „testete“ Daniel Bauer das Wissen der Schüler. Mangels Sprachken­nt­nis­sen half nur die Math­e­matik: „2 + 2 = 6“ schrieb er an die Tafel. Sofort kam stür­mis­ch­er Protest. „4“ wurde er korrigiert. Weit­ere, ähnliche Übun­gen folgten, bei denen die Kinder vor allem eine unge­heure Freude am Lernen zeigten.

Auch weit­ere Verbindun­gen wurden gepflegt: Der 15-jährige Sohn einer Valdivia-Mitar­bei­t­erin hat die Paten­schaft für einen 6‑jährigen Jungen über­nom­men, der voriges Jahr als Waise ins Dorf kam. Nun konnten Bauers ein Geschenk für das Patenkind übergeben, zwei heiß ersehnte Spielzeu­gau­tos. Die Verbindung der beiden Jungen fußt aber auf weit mehr: Der Sech­sjährige stammt aus einer abgele­ge­nen Region und sprach anfangs nur den dorti­gen Dialekt. So lernen er und sein Pate nun gemein­sam Spanisch – von Anfang an, trotz des Alter­sun­ter­schiedes und der Distanz.

 

Das Aldea Infan­til – eine Chance für die Hilflosesten

„Die Kinder in Guatemala wach­sen oft unter den aller­schlimm­sten Bedin­gun­gen auf,“ berichtet Daniel Bauer. „Teils als Waisen, teils ausge­set­zt, weil ihre Eltern … oft die Mutter allein … sie nicht mehr ernähren können. Dazu kommen dann auf der Straße Gewal­ter­fahrun­gen, Krankheit­en und mehr. Wenn sie das Glück haben, ins Kinder­dorf zu kommen, sind sie oft stark trau­ma­tisiert. Darum gibt es hier auch Psycholo­gen, die die Kinder betreuen. Das Engage­ment des Aldea Infan­til geht aber noch darüber hinaus: So werden dort auch Mahlzeit­en für die Kinder aus dem Ort und der Umge­bung bere­it­et und verteilt; das ist meist die einzige nahrhafte Kost, die die Kinder am Tag bekommen.“

Mit Wenigem viel erreichen

Sehr wichtig war den Bauers auch, sich die konkreten Bedürfnisse des Dorfs und sein­er Außen­stellen anzuhören – durch­weg beschei­dene und aufs Prak­tis­che gerichtete Wünsche. Einer Außen­stellen-Schule wäre zum Beispiel schon mit einem einfachen Regal geholfen, wie man es für wenige Euro bei uns in jedem Baumarkt bekommt. Eine andere wünscht sich einen Eimer Wand­farbe und endlich wieder eine funk­tion­ierende Toilette, damit die Kinder nicht mehr in den Wald gehen müssen für ihre Notdurft. Das Dorf wäre glück­lich über feste Kunst­stoff­plat­ten fürs Gewächshaus, einen Beam­er sowie Büch­er und Regale für die kleine Biblio­thek. Der drän­gend­ste Bedarf aktuell: ein Motorpflug für die Äcker und Gemüse­beete, die heute noch immer von Hand umge­graben werden. Durch das Pflü­gen würden sie auch mehr Ertrag abwer­fen und die Selb­stver­sorgung des Dorfes verbessern.

Dabei legen Dorfleitung, Mitar­bei­t­ende und Kinder keineswegs die Hände in den Schoß. Da wird über­all selb­st angepackt, erzählt Daniel Bauer: „In der Werk­statt wurde eine Waschmas­chine repari­ert, und auf eini­gen Däch­ern sah ich selb­st instal­lierte Solaran­la­gen. Wenn man fragt, wo es fehlt, sagen sie ohne Scheu, was sie brauchen, aber sonst hört man so gut wie nie Wünsche oder Klagen.“

Kein Abschied, sondern ein Anfang

„Wir wurden dort mit so viel natür­lich­er Herzlichkeit aufgenom­men, dass es uns direkt schw­er­fiel, wieder wegz­u­fahren,“ been­det Daniel Bauer seinen Bericht. „Sich­er waren wir auch nicht zum letzten Mal da. Eventuell wird es in Zukun­ft sogar für alle Valdivia-Mitar­bei­t­en­den ein Programm geben, für zwei Wochen hinzu­fliegen und dort selb­st mit anzupacken.

Hier hebt sich das Konzept der Stiftung Kinderzukun­ft deut­lich und überzeu­gend von anderen ab: Man über­weist nicht nur einfach eine Spende auf ein Bankkon­to, sondern man bekommt etwas zurück – Freunde, Perspek­tiv­en, ein Stück Zukun­ft für alle gemein­sam. Für uns bei Valdivia war dieser Aspekt von Anfang an wichtig, aber erst durch unseren Besuch ist er greif­bar gewor­den. Diese persön­lichen, menschlichen Kontak­te in einer doch so anderen Welt haben mich und meine Fami­lie zutief­st beein­druckt … so sehr, dass ich sie jedem tatsäch­lich sehr ans Herz legen möchte!“

Daniel Bauers abschließen­des Fazit: „Neben dem spür­baren Engage­ment aller Beteiligten finde ich es wichtig zu wissen, dass unsere Spenden auch immer zuver­läs­sig ihr Ziel erre­ichen. Die Stiftung Kinderzukun­ft ist seit Jahren DZI-gelis­tet: Das DZI-Spenden-Siegel belegt, dass die Stiftung mit den ihr anver­traut­en Geldern sorgfältig und verant­wor­tungsvoll umge­ht. Auch finde ich es sympa­thisch, dass die Stiftung auss­chließlich mit posi­tiv­en Bildern wirbt und die Kinder nicht in einer unwürdi­gen Opfer­rolle darstellt. Der gesamte Auftritt strahlt Hoff­nung und Zukun­ft aus.“

Helfen Sie mit!

Sie können das Projekt auf verschiedene Weise unter­stützen – als Einzelper­son, als Vere­in oder Unternehmen. Informieren Sie sich auf der Website der Stiftung Kinderzukun­ft, welche der Möglichkeit­en  für Sie in Frage kommt! Die Stiftung

  • garantiert, dass 100 % Ihrer Spende bei den Kindern ankommen,
  • bekämpft die Not dort, wo sie entste­ht, und setzt an den Ursachen an,
  • arbeit­et an „vergesse­nen Orten“, wo kaum andere Hilfe ankommt,
  • begleit­et die Kinder, bis sie es geschafft haben

… so dass die Kinder später selb­st Zuver­sicht, Knowhow und Frieden in ihre Gemein­schaften brin­gen können.

Das zentrale Ziel der Stiftung ist es, die jungen Menschen so stark zu machen, dass sie sich selb­st helfen können. Dies begin­nt mit einer physis­chen und psychis­chen Grund­ver­sorgung. Danach erler­nen sie Wissen und Fertigkeit­en, um sich als Erwach­sene ein eigenes Leben aufzubauen, in ihrer Heimat zu bleiben und später auch wieder anderen zu helfen. So ist jede Spende oder Unter­stützung von nach­haltiger Wirkung.

Stiftung Kinderzukun­ft

Rabenaus­traße 1a, D‑63584 Gründau
Hans-Georg Bayer
Geschäfts­führen­der Vorstand
Tel.: +49 60 51 48 18 14
Fax: +49 60 51 48 18 10
E‑Mail: hans-georg.bayer@kinderzukunft.de
Web: www.kinderzukunft.de

Spendenkon­to: Commerzbank Hanau
IBAN: DE79 5064 0015 0222 2222 00
BIC: COBADEFFXXX

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