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Welttag der Ozeane:
Mit AWI & Valdivia
gemeinsam für Meeres- und Klimaschutz

08.06.2026
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Am 8. Juni ist der „Welt­tag der Ozeane“ – ein guter Anlass für ein Update zur Arbeit des von uns unter­stützten Alfred-Wegen­er-Insti­tuts (AWI)

Mit einem Bericht über die jüng­ste Antark­tis-Expe­di­tion der Polarstern setzen wir die Reihe über die Fahrten des Flag­gschiffs der deutschen Polar- und Meeres­forschung fort. Auch zum Kampf gegen die Plas­tikver­schmutzung der Meere gibt es Neuigkeit­en – und die Hoff­nung, dass die Welt­ge­mein­schaft sich zusam­men­find­et, endlich Lösun­gen im nöti­gen Maßstab zu beschließen. Wie dringlich eine solche Entschei­dung ist, hatten wir im Valdivia News­room ja schon mit unserem Beitrag zum „North­drift“ geschildert.

Erder­wär­mung auch in der Antarktis

Lange galt die Ausdehnung des Meereis­es in der Antark­tis als rela­tiv stabil – anders als in der Arktis, wo das Eis im Sommer seit Beginn der Satel­liten­beobach­tun­gen 1979 um 12 Prozent pro Dekade abnahm. Seit ca. 2017 zeigen sich jedoch auch im Gebi­et der Antark­tis deut­liche Verän­derun­gen. Im Sommer der Südhal­bkugel von Dezem­ber bis Febru­ar geht nun auch hier die Ausdehnung des Meereis­es stark zurück.

Am 8. Febru­ar 2026 lichtete daher die Polarstern in Punta Arenas (Chile) ihren Anker zu einer weit­eren Fahrt in antark­tis­che Gewäss­er. An Bord waren 50 Wissenschaftler:innen aus acht verschiede­nen Ländern sowie 43 Besatzungsmit­glieder. Unter dem Namen „Summer Weddell Sea Outflow Study“ (SWOS) unter­suchte das multi­diszi­plinäre Forschung­steam den nord­west­lichen Teil des Weddellmeeres – ein Gebi­et von zentraler Bedeu­tung für das glob­ale Klima- und Ozean­sys­tem, das wegen sein­er schwieri­gen Eisbe­din­gun­gen auss­chließlich von leis­tungs­fähi­gen Forschung­seis­brech­ern wie der Polarstern erkun­det werden kann.

Mit SWOS der Eiss­chmelze auf der Spur

„Das Ziel von SWOS ist es zu unter­suchen, warum das Meereis in der Antark­tis in den letzten Jahren so stark zurück­ge­gan­gen ist und wie sich das auf das Ökosys­tem auswirkt“, erklärte Prof. Dr. Chris­t­ian Haas vom AWI und Leit­er der Expe­di­tion vor Beginn der Fahrt. Um dieses Ziel zu erre­ichen, wurden in der Region des nord­west­lichen Weddellmeers erst­mals umfassende Beobach­tun­gen vom Meeres­bo­den bis in die Atmo­sphäre erhoben.

„Viele unser­er zentralen Fragen lassen sich nicht mit Satel­liten allein beant­worten“, so Chris­t­ian Haas weit­er. „Wir brauchen In-situ-Beobach­tun­gen, um den Zustand des Meereis­es, der Strö­mungen sowie der biol­o­gis­chen Gemein­schaften im Wass­er und am Meeres­bo­den zu verste­hen – und um beurteilen zu können, ob das Meereis künftig möglicher­weise ganz verschwinden könnte.“

Das Weddellmeer – weit entfer­nt und doch von Bedeutung

Das Forschungs­ge­bi­et der Expe­di­tion war eine fast ganzjährig von dick­em Meereis bedeck­te Region des Südpo­larmeers und einer der am wenig­sten erforscht­en Bere­iche der Erde. Von hier strö­men Wasser­massen, Nährstoffe und Kohlen­stoff in die Welt­meere – und beein­flussen damit das glob­ale Klimasys­tem. Eis und Ozean stehen dabei in engem Austausch. Sie bestim­men die Bildung und das Schmelzen des Meereis­es und damit auch die Lebens­be­din­gun­gen für Organ­is­men im Wass­er und am Meeres­bo­den. Der Rück­gang der Meereis­be­deck­ung könnte weitre­ichende Folgen haben – möglicher­weise auch für die Stabil­ität des Schelfeises.

Die Forschungsar­beit­en fanden zu einem kritis­chen Zeit­punkt statt: Der antark­tis­che Ozean erwärmt sich und verliert zunehmend Meereis. Die gewonnenen Daten sollen daher helfen, diese Verän­derun­gen bess­er zu verste­hen und Klimamod­elle zu verbessern. Damit hat SWOS einen wichti­gen Beitrag zum Verständ­nis einer Schlüs­sel­zone des antark­tis­chen Eis-Ozean-Systems geleis­tet – in einer Zeit tief­greifend­er Verän­derun­gen, deren Auswirkun­gen weit über die Antark­tis hinausreichen.

Forschung vom Meeres­bo­den bis in die Wolken

Haupt­ge­gen­stand der Unter­suchun­gen waren die Wech­sel­wirkun­gen zwis­chen Meereis, Schelfeis und Ozean sowie deren Auswirkun­gen auf die Ökolo­gie der Zone. Dazu maßen die Wissenschaftler:innen in Abstän­den von weni­gen Seemeilen die Eis- und Schneed­icke, unter­sucht­en die Wasser­massen und verfol­gten, wie Nährstoffe und Kohlen­stoff von der Ober­fläche in die Tief­see gelan­gen. Daneben erfüllte die Expe­di­tion zahlre­iche weit­ere Forschungsaufgaben:

  • Zooplank­ton, Krill und Fische sind wichtige Teile des Nahrungsnet­zes im Südpo­larmeer und tragen zum Kohlen­stoff­trans­port bei. Ihre Häufigkeit und Verbre­itung wurden mit speziellen Netzen in verschiede­nen Wasser­schicht­en erfasst. Die so gewonnenen Daten zeigen, wie das Meereis die Verteilung beein­flusst. Damit erlauben sie Analy­sen zur Rolle des Meereis­es und Vorher­sagen zu Verän­derun­gen durch dessen klimabe­d­ingten Rückgang.
  • Ergänzend dazu wurde eine CTD-Sonde (für „conduc­tiv­i­ty, temper­a­ture, depth“) einge­set­zt. Sie misst u. a. Helligkeit, Salzge­halt, Sauer­stoff, Strö­mungs­geschwindigkeit und Chloro­phyl­lanteil in verschiede­nen Wassertiefen.
  • Zum Einsatz kam fern­er eine Tauch­drohne, um die Topogra­phie des Meeres­bo­dens und die Auswirkun­gen von Prozessen im Eis auf die dort leben­den Tier- und Pflanzenge­mein­schaften zu untersuchen.

Weit­ere Forschungsin­halte waren Beobach­tun­gen der Tier­welt, Messun­gen der physikalis­chen und chemis­chen Eigen­schaften von Aerosol­par­tikeln als mögliche Wolkenkeime sowie Ergänzun­gen der inter­na­tionalen bathymetrischen Karte des Südlichen Ozeans (IBCSO), dessen genaue Topogra­phie bish­er nur in Teilen bekan­nt ist.

Die Fahrten der Polarstern live verfolgen

Zurzeit genießt die Polarstern im Trock­endock in Bremer­haven eine wohlver­di­ente Ruhep­ause und Über­hol­ung. Doch schon Anfang Juli geht es in die Fram-Straße zwis­chen Grön­land und Spitzber­gen. Die neue Expe­di­tion soll dort die langfristige ökol­o­gis­che Forschung in der Wasser­säule und am Meeres­bo­den fort­set­zen. Ziel ist es, die Auswirkun­gen markan­ter Umweltverän­derun­gen und Schad­stoffe in der Über­gangszone zwis­chen dem nördlichen Nordat­lantik und dem zentralen Arktis­chen Ozean zu beobacht­en. Weit­ere Forschungs­the­men sind die arktis­che Tief­see-Biodi­ver­sität sowie die Auswirkun­gen des Klimawan­dels auf Lebens­ge­mein­schaften auf dem Grund der Tief­see. Zum Einsatz kommen dabei auch fernges­teuerte Tauchro­bot­er und Bodenfahrzeuge.

Alle Fahrten der Polarstern können Sie übri­gens live verfol­gen: mit der neuen On-Expe­di­tion-App! Damit haben Sie in unseren Sommer­monat­en zugle­ich Zugang zu den Bericht­en der Wissenschaftler:innen, die auf der deutschen Südpo­larsta­tion Neumey­er II überwintern.

Neue Chance für ein glob­ales Plastikabkommen

Seit August 2025 verhan­delt bei den Vere­in­ten Natio­nen in Genf ein zwis­chen­staatlich­es Komi­tee (INC) über ein glob­ales Plas­tik­abkom­men – leider bish­er ohne Erfolg. Es zeigte sich, dass das umfassende Mandat des INC – die Berück­sich­ti­gung des gesamten Leben­szyk­lus von Plas­tik – zu frag­men­tierten und verzögerten Debat­ten geführt hat. Doch ohne verbindliche inter­na­tionale Regeln bleibt der Eintrag von Plas­tik in die Meere ein struk­turelles Prob­lem – unab­hängig von lokalen Initiativen.

Mit der Wahl des neuen Vorsitzen­den Julio Cordano aus Chile am 7. Febru­ar 2026 ist die Hoff­nung entstanden, dass ein neuer Verhand­lungsmodus zu besseren Ergeb­nis­sen führt. Ein Vorschlag dazu kam u.a. von den deutschen Teilnehmer:innen Melanie Bergmann vom AWI, Paul Einhäu­pl und Linda Del Savio (Forschungsin­sti­tut für Nach­haltigkeit) sowie Anni­ka Jahnke (Helmholtz-Zentrum für Umwelt­forschung): Klare Prior­itäten, Verfahren­sregeln und Mehrheits­beschlüsse sollen das frühere Vorge­hen ablösen. Damit beste­ht die Hoff­nung, dass der Plas­tikver­schmutzung der Meere doch in abse­hbar­er Zeit Einhalt geboten wird.

Aktuelle Infor­ma­tion zur UNEP Plas­tics Initia­tive find­en Sie auf der Website des Programms.

Valdivia und das Meer – eine tief­gründi­ge Verbindung

Tief­gang in der Leis­tung, Leiden­schaft fürs Meer – so fanden wir unseren Namen Valdivia. Denn „Valdivia“ hieß das erste deutsche Forschungss­chiff, das 1898 zu einer system­a­tis­chen Erkun­dung der Tief­see aufbrach. Diese Verbindung motiviert uns, die Erforschung und den Schutz der Meere auch prak­tisch zu unter­stützen: als Mitglied im Fördervere­in des Alfred-Wegen­er-Insti­tuts, der führen­den deutschen Wissenschaft­sein­rich­tung zur Meeres- und Polar­forschung. Wir laden Sie herzlich ein mitzu­machen!

(Bildquelle: AWI )