Mit neuen Verbindungen aus Remote-Arbeit und Urlaubsfeeling zeichnet sich für die Assetklasse der Hotelimmobilien ein zusätzlicher, aussichtsreicher Trend ab. Doch welche Merkmale sind dabei für die Vermarktung wichtig?
Neue Immobilienklassen oder Nutzungskonzepte brauchen eigene Marketing-Ansätze, die über bekanntere Kategorien hinausgehen. Wie schon für Rechenzentren haben wir in diesem Valdivia Expertentipp für Sie daher Informationen und Argumente zusammengetragen, die zur Vermarktung eines Hotels als „Arbeitsplatz mit Urlaubsfeeling“ nützlich sein können.
Zimmer mit Renditeblick
Hotels sind als Immobilien erfolgreich und als Investment eine lohnende Assetklasse. Steigende Nachfrage und ein wachsendes Interesse an spezialisierten Konzepten wie Boutique- und Wellness-Hotels1 sorgen seit Ende der Pandemie für einen spürbaren Aufschwung. So verzeichnete zum Beispiel eine Bulwiengesa-Studie2 schon 2023 jährlich wachsende Übernachtungszahlen und Transaktionsvolumina – mit Aussichten auf Renditen von 4,5 bis 5,5 Prozent.
Und auch jenseits des Erholungseffekts zeigt sich die Assetklasse stabil: Ein gemeinsam mit Union Investment aufgestelltes Bulwiengesa-Gutachten3 zeigt für 2024 eine Wertsteigerung des investmentrelevanten Bestands um 1,5 Prozent. Der Gesamtwert erreichte zum Jahresende 64,3 Milliarden Euro – ein Plus von 3,7 Prozent gegenüber 2023. Auch bis Ende 2025 blieb der positive Trend stabil, wie laut Immobilienmanager4 mehrere Untersuchungen u.a. von CBRE und JLL belegen.
Business nicht mehr „as usual“
Zum größten Teil sind die Übernachtungsgründe nach wie vor die gleichen wie seit jeher: Urlaubs- und Erholungsreisen, Geschäftsreisen, Besuche bei Freunden und Verwandten sowie spezielle Anlässe wie z. B. Pilgerfahrten. Doch besonders Reisen aus geschäftlichen Gründen sind dabei, sich in ihrer Form zu verändern. Seit rund zehn Jahren wächst ein Subsegment, das als „Bleisure“ bezeichnet wird5. Der Kofferbegriff aus „Business“ und „Leisure“ (Freizeit) beschreibt Geschäftsreisen, die – frei nach dem Motto „wenn ich schon mal da bin“ – durch private Aufenthalte verlängert werden.
Mit der Verbreitung von Remote-Arbeit hat die Pandemie zusätzliche Kombinationen von Arbeit und Urlaub hervorgebracht. Eine davon ist die „Workation“, ein weiteres Kofferwort, das sich aus „Work“ und „Vacation“ zusammensetzt. Es beschreibt ein zeitweiliges mobiles Arbeiten von einem Ort aus, der typischerweise als Urlaubsort gilt und eine besondere Atmosphäre bietet – sei es Natur und Landschaften oder urbanes Leben. Workation ist damit mehr als ein Tourismustrend: Es ist eine völlig neue Form der Nutzung von Hotelimmobilien.

Workation ist Motivation
Zu tatsächlichen Fallzahlen und Umsatzvolumina von Workations gibt es bisher noch keine präzisen Untersuchungen. Einzelne Quellen weisen jedoch auf ein deutliches und wachsendes Interesse an dieser Form des Reisens hin6/7: So ergab eine Befragung unter Remote-Beschäftigten, dass 35 Prozent bis Ende 2023 mindestens eine Workation von zwei Wochen oder länger im Jahr genommen hatten – gegenüber 28 % im Jahr 2022.
Für eine wachsende Bedeutung von Workations sprechen auch die Ergebnisse eine PwC-Studie, die das Thema aus der Perspektive von Beschäftigten untersucht hat8:
- 57 % der Befragten (und 80 % der 18- bis 29-Jährigen) nannten eine Workation-Option als wichtiges Kriterium bei der Jobwahl.
- 30 % (und 45 % der 18- bis 29-Jährigen) würden sogar ein Stellenangebot ausschlagen, wenn das Unternehmen keine Workations ermöglicht.
Arbeitgeber, die es ihren Angestellten nicht erlauben, mobil aus dem Ausland zu arbeiten, verringern also ihren Pool an potenziellen Bewerber:innen um fast ein Drittel. Für Hotelimmobilien bedeutet diese Entwicklung eine verlässlichere und planbarere Nachfrage jenseits klassischer Saisonlogiken.
Das Hotel als Work(ation)place
Die Vermarktung als Workation-Destination bietet Hotelimmobilien gute Chancen auf Auslastung und Rendite – selbst oder gerade in Lagen, die vor allem den Tourismus ansprechen und bereits eine hohe Bettendichte aufweisen. Doch nicht jedes Hotel ist automatisch für Workation geeignet. Das Objekt und seine Ausstattung sollten die speziellen Bedürfnisse der Remote-Arbeiter:innen berücksichtigen, um in diesem neuen Markt erfolgreich zu sein.
Den Anfang machten Hotels, die ein spezielles Business-Center und auf den Zimmern kostenloses WLAN anboten. Heute liegen die Erwartungen deutlich höher, wenn das Hotel für eine echte, auch mehrere Wochen dauernde Workation geeignet sein soll. Stabiles, schnelles Arbeiten in unterschiedlichen Szenarien sollte genauso gut möglich sein wie Erholung. Für eine echte Workation-Eignung braucht eine Hotelimmobilie an baulichen und Ausstattungsmerkmalen:
- Auswahl an Arbeitsplätzen nicht nur im Zimmer
Der Arbeitsplatz im Zimmer spielt natürlich eine zentrale Rolle. Dazu gehören ein ergonomisch optimaler Schreibtisch und Sessel sowie eine blendfreie Beleuchtung. Zur Abwechslung und für Teamarbeit sollten weitere Arbeitsmöglichkeiten zur Verfügung stehen: ruhige Lounge-Zonen sowie ein Coworking-Bereich oder Business-Center mit Tischen, Stühlen und Stromanschlüssen.
- Zeitgemäße technische Infrastruktur
Grundvoraussetzung ist ein leistungsfähiges WLAN im gesamten Gebäude, das auch bei mehrfacher Video-/Konferenznutzung stabil bleibt. Weitere Wünsche arbeitender Gäste sind eine ausreichende Zahl an Steckdosen, eine gute Mobilfunkabdeckung, eine möglichst lautlose Klimatisierung sowie die Möglichkeit, zusätzliche Monitore, Drucker und Meetingausrüstung (Beamer, Bildschirm, Konferenzkamera) zu leihen bzw. zu nutzen.
- Räume für verschiedene Formen des Teamworks
Als Grundausstattung sollte das Hotel über mindestens einen Seminar- oder Besprechungsraum verfügen, der mit moderner Präsentationstechnik (Beamer/Screen, Whiteboard/Flipchart, Moderationsmaterialien) ausgestattet ist. Sehr willkommen sind auch kleinere, abgeschirmte Räume oder Nischen für vertrauliche Calls und konzentriertes gemeinsames Arbeiten.
- Bauliche Einrichtung auf spezielle Service-Anforderungen
Einzelne Serviceabläufe können sich in einem Workation-Hotel deutlich von herkömmlichen Häusern unterscheiden. So werden manche Zimmer zum Beispiel tagsüber durchgehend genutzt und erst zum „Feierabend“ frei für eine Reinigung. Hier ist also nicht nur ein flexibles Housekeeping gefragt, sondern auch eine gute Schallisolierung. Sinnvoll sind auch zusätzliche Speiseräume – etwa für ein ständig nutzbares Snack-Buffet außerhalb der Hauptmahlzeiten.
- Konsequente Nachhaltigkeit
Nachhaltigkeit ist heute ein fast unerlässlicher Faktor vor allem für jüngere Zielgruppen. Das Haus sollte daher energetisch neutral sein, mit nachhaltig produzierten Materialien eingerichtet sein und den Gästen einfache Möglichkeiten zu Mülltrennung und Stromsparen bieten. Ein Neubau könnte zusätzlich punkten, wenn er zumindest teilweise aus recycelten Materialien oder Holz errichtet ist.
Neben solchen baulichen Merkmalen sind auf den Workation-Zweck zugeschnittene Services und Tarife empfehlenswert. Eine Übersicht der gastgewerblichen Aspekte bieten Websites wie workation.de oder futurestays.ai.
Fazit
Workation erweitert die Nutzung von Hotelimmobilien um ein Segment, das zwischen klassischem Tourismus und Geschäftsreise positioniert ist. Die Option zu Remote-Arbeit hat eine Nachfrage ausgelöst, die über saisonale Spitzen hinausreicht. Eigentümer und Investoren können dies nutzen, um ihre Hotelkonzepte gezielt darauf auszurichten und zusätzliche Zielgruppen anzusprechen. Dazu zählen auch Unternehmen – etwa als Partner in Rahmenverträgen.
Voraussetzung ist eine Ausstattung und Organisation, die produktives Arbeiten ebenso berücksichtigt wie Erholung und Servicequalität. Nicht jedes Hotel eignet sich in gleicher Weise als „Arbeitsplatz am Urlaubsort“; entscheidend ist die bewusste Ausrichtung von Objekt, Infrastruktur und Angebot. Aus Vermarktungssicht leistet Workation damit einen Beitrag, Hotelimmobilien funktional zu differenzieren, die Auslastung zu stabilisieren und Nutzungskonzepte zukunftsfähiger zu machen – insbesondere dort, wo die klassische Nachfrage nachlässt oder an Grenzen stößt.
Quellen
- „Im Schlaf Geld verdienen“, immobilienmanager.de, 17. Juli 2025
- „Die 5 % Studie – wo investieren sich noch lohnt“, Bulwiengesa 2024
- „Deutsche Hotellerie im Aufwind“, Bulwiengesa, Juli 2025
- „Hotelinvestmentmarkt 2025 rund 60 Prozent über Vorjahr“, immobilienmanager.de, 9. Oktober 2025
- „105 Critical Business Travel Statistics: 2024 Spending & Concerns Analysis“, financesonline, Juni 2025
- „Workation: The Future of Work and Travel in One Concept“, Wired White Plattform für Ingenieursdienstleistungen und Lernen, Mai 2025
- „Business Travelers Survey Q1 2023“, U.S. Travel Association, April 2023; „Workations Campaign 2026 — Reimagining tourism for the remote-working era“, Career Gappers, 2026
- „Workation zwischen Wunsch und Wirklichkeit 2024“, PricewaterhouseCoopers Mai 2024
(Bildquelle: istockphotos.com)