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Data Centres:
Wie Rechenzentren
gute Nachbarn werden

20.08.2025
  • Expertentipps

Rechen­zen­tren sind zu einem Symbol des KI-Zeital­ters gewor­den – als heute unverzicht­bares Rück­grat der digi­tal­en Trans­for­ma­tion. Der Ausbau dieses Typs Infra­struk­tur-Immo­bilien stärkt nicht nur die Zukun­fts­fähigkeit unseres Landes: Sie bieten auch Chan­cen für Immo­bilienen­twick­lung und ‑investi­tio­nen. Doch wie gelingt es, solche Projek­te so zu gestal­ten, dass sie sich gut in ihre soziale Umge­bung einfü­gen – insbeson­dere mit Blick auf Nach­haltigkeit und Stan­dortverträglichkeit? In diesem Valdivia Exper­ten­tipp zeigen wir, mit welchen Merk­malen und Argu­menten Rechen­zen­tren als Bere­icherung wahrgenom­men werden können.

Deutsch­land als führen­der Standort

Kommerzielle Rechen­zen­tren sind das Trag­w­erk unser­er digi­tal­en Welt: Cloud-Comput­ing braucht Orte für seine Cloud; künstliche Intel­li­genz braucht „Gehirne“; die Sozialen Medi­en brauchen Plat­tfor­men für die Daten von Milliar­den Nutzer:innen. Mittler­weile hat Deutsch­land mit dieser Infra­struk­tur einen Podest­platz erreicht:

  • In Europa ist Deutsch­land führend bei Anzahl und Kapaz­ität der Rechen­zen­tren1/2; weltweit vor UK und China auf dem zweit­en Rang2.
  • Frank­furt am Main zählt zu den glob­alen Top-Ten-Stan­dorten – als einziger in der EU3.
  • Weit­eres Wach­s­tums ist in Sicht: 2024 planten 71 % der Betreiber Erweiterun­gen, davon fast zwei Drit­tel mit Investi­tio­nen von erhe­blichem Umfang4.

Solche Leis­tun­gen stärken das Selb­st­be­wusst­sein und die Moti­va­tion für den weit­eren Ausbau. Doch mit dem Wach­s­tum wächst auch die Verant­wor­tung: Die Verträglichkeit für Umwelt und Stan­dorte sollte ausre­ichend berück­sichtigt werden. Dann haben Rechen­zen­tren eine Chance, als gute Nach­barn akzep­tiert beziehungsweise in vertret­bar­er Zeit real­isiert zu werden.

Ideen für den Klimaschutz

Vor allem Nach­haltigkeit und Energieef­fizienz der Rechen­zen­tren werden häufig kritisiert. Viele Betreiber haben auch bere­its Wege zur Abhil­fe gesucht oder planen dies bis 20265:

  • Recy­cling der Hard­ware – 71 %
  • Stan­dort­na­he Energieerzeu­gung – 44 %
  • Batter­iespe­ich­er zur Netzsta­bil­isierung – 34 %
  • Energie- und Umwelt­man­age­mentsys­teme – 27 %
  • Kraft-Wärme-Kopplung, Abwär­menutzung – 23 %
  • Flüs­sige Kühlkreis­läufe – 10 %
  • Wasser­stoff-Gener­a­toren – 8 %

Die Liste spiegelt nicht nur ein steigen­des Verant­wor­tungs­be­wusst­sein; sie zeigt auch das Spek­trum der möglichen Maßnah­men. Dabei sollte nicht vergessen werden, dass die Digi­tal­isierung insge­samt auch CO2-Emis­sio­nen spart, etwa durch den Ersatz von Dien­streisen und Fahrten zum Arbeit­splatz durch Videokon­feren­zen, Online-Zusam­me­nar­beit und Home­of­fice. Größere Rechen­zen­tren können zudem ihrer Kommune quasi als zusät­zlich­es Wärmekraftwerk einen echt­en Zweit­nutzen zu bieten.

Mitgedachte Nach­haltigkeit

Rechen­zen­tren können sich auf ganz verschiedene Weise nach­haltiger präsen­tieren und damit ihre Akzep­tanz stärken. Die großen Dachflächen bieten sich für Photo­voltaik, Bepflanzung, vielle­icht sogar als öffentliche Dachgärten mit Sommer­lounge an. Auch die oft großflächig blind­en Fassaden lassen sich begrü­nen; über die Vorteile für Klima und Gebäude hatten wir kürzlich berichtet.

Nach­haltigkeit kann aber auch in der Architek­tur selb­st zum Ausdruck kommen. So plant Microsoft Rechen­zen­tren aus Holz; ein erster Versuch entste­ht zurzeit in der Nähe von Wash­ing­ton DC. Deut­lich weit­er gehen Entwürfe, wie sie das Data­Cen­tre Maga­zine im Novem­ber 2023 vorstellte: mit Architek­turen, die sich harmonisch in Natur und Land­schaft einfü­gen oder mit einem futur­is­tis­chen Design Akzente setzen. Solche Entwürfe fördern – ganz im Sinne der ESG-Ziele der Vere­in­ten Natio­nen – auch die soziale Nach­haltigkeit. Ein gutes Beispiel für ganzheitlich gedachte Nach­haltigkeit sind die inklu­siv­en Akquinet Rechen­zen­tren in Hamburg, Norder­st­edt und Itze­hoe: Sie erfüllen nicht nur hohe Klimaschutz­s­tan­dards, sondern sie sind auch gezielt für Mitar­bei­t­ende mit Behin­derung ausgelegt.

Stärkung für den Standort

Vorteile können Rechen­zen­tren auch für ihre Stan­dorte entfal­ten – und dies nicht nur als Arbeit­ge­ber oder Steuerzahler:

  • Beson­ders die Kate­gorie der Edge-Rechen­zen­tren ist bietet Vorteile für ihre direk­te Nach­barschaft. Klein­er ausgelegt als die üblichen Großan­la­gen, ermöglichen sie eine schnellere Daten­ver­ar­beitung und gerin­gere Latenzzeit­en – ein Vorteil insbeson­dere für Echtzeit-Anwendungen.
  • Generell stärken Rechen­zen­tren die Zukun­ftschan­cen einer Region, denn sie bilden ein wichtiges Element im Ökosys­tem für Star­tups und damit auch für neue Arbeit­splätze. Digi­tale und hybride Geschäftsmod­elle waren schon 2023 die Grund­lage von 92 % aller Star­tups6 – mit entsprechen­dem Bedarf an Rechen­leis­tung bzw. Datenspeicherung.

Natür­lich sind für eine lebendi­ge Start­up-Szene weit­ere Faktoren notwendig wie etwa Geldge­ber oder eine Vernet­zung mit Forschung­sein­rich­tun­gen. Doch mit dezen­tralen Rechen­zen­tren und flex­i­blem Büro­raum sind eben auch Immo­bilienen­twick­ler und ‑inve­storen ange­sprochen. Mit einem zeit­gemäßen, nach­halti­gen Design des Projek­ts sollte es dann nicht mehr schw­er sein, neue Stan­dorte zu find­en und die Menschen im Umfeld zu überzeugen.

Quellen

  1. „Cloud­scene Cover­age Map“, Cloud­scene, Febru­ar 2024
  2. „Glob­al Data Center Market Statis­tics“, Brightlio, März 2025
  3. „Die 50 weltweit leis­tungsstärk­sten Rechen­zen­trumsmärk­te“, Data­cen­ter Insid­er 2024
  4. „Rechen­zen­tren in Deutsch­land: Aktuelle Mark­ten­twick­lun­gen, Bitkom/Borderstep Septem­ber 2024
  5. „Data Center Impact Report Deutsch­land“, German Data­cen­ter Asso­ci­a­tion e.V., März 2024
  6. „Deutsch­er Start­up Moni­tor 2023“, Bundesver­band Deutsche Star­tups / Price­wa­ter­house­C­oop­ers, Septem­ber 2023

 

(Bildquelle: istock­pho­tos)