• Expertentipps

Kunst & Kultur:
Pluspunkte für die Lage Ihrer Immobilien

10.12.2025
  • Expertentipps

Kunst und Kultur können das Image eines Stadtvier­tels prägen – und damit auch dessen Immo­bilien­werte. Doch wie genau wirkt sich kulturelles Engage­ment auf die Attrak­tiv­ität eines Stan­dorts aus?

Der Einfluss einzel­ner Werke oder Einrich­tun­gen lässt sich kaum quan­tifizieren. Dennoch ist die Wirkung deut­lich, wie wir Ihnen in diesem Valdivia News­room-Beitrag zeigen. Vor allem der soziale Wert wird durch die Nähe zu Kunst und Kultur gestärkt: Die Beliebtheit als Wohnge­bi­et, Arbeit­splatz, Shop­ping- oder Freizeit­zone steigt und damit auch das Gemein­schafts­ge­fühl und das Sicherheitsempfinden.

Die Anziehungskraft zeit­genös­sis­ch­er Kunst

Zeit­genös­sis­che Kunst im öffentlichen Raum erweit­ert den kulturellen Zugang, stärkt soziale Bindun­gen und fördert das gesellschaftliche Bewusst­sein. Das zeigt eine Studie zum High­line Park in New York City und dem Superk­ilen Park in Kopen­hagen1, die wir hier stel­lvertre­tend für viele Unter­suchun­gen mit gleichen oder ähnlichen Ergeb­nis­sen nennen. Kunst­pro­jek­te und andere kulturelle Aktiv­itäten ziehen Bewohner:innen wie Tourist:innen an und stärken damit auch die wirtschaftliche Bele­bung. Damit einherge­hen kann ein erhe­blich­er Wertzuwachs der umliegen­den Immo­bilien: Die High­line ließ von 2003 bis 2011 die Immo­bilien­werte um 103 % ansteigen; rund um den Superk­ilen stiegen die Immo­bilien­werte um etwa 50 %.

(Im High Line Park, New York)

Kunst im Quarti­er  – die Stiftung Berlin­er Leben

Kunst in die alltägliche Lebenswelt der Menschen zu brin­gen, ist einer der Schw­er­punk­te der Stiftung Berlin­er Leben2. Ein Beispiel ist das URBAN NATION Muse­um mitten im Schöneberg­er Kiez, das mit Urban Art einen nieder­schwelli­gen Zugang zur Kunst bietet.

(URBAN NATION Muse­um, Berlin)

Es wirkt als „Motor für die soziale und kulturelle Entwick­lung seines Quartiers“ und lädt neben profes­sionellen Künstler:innen auch Menschen aus der Nach­barschaft zum aktiv­en Mitmachen und Gestal­ten ein. Damit fokussiert sich das Muse­um nicht nur auf ästhetis­che und kreative Aspek­te, sondern es fördert auch die Iden­ti­fika­tion mit dem Umfeld und den gesellschaftlichen Zusammenhalt.

Urban Art – auch in kleineren Städten wirksam

Die Bedeu­tung von Urban Art für Quartiere schildert auch André Kazmier­s­ki von der Stadt­bau Aschaf­fen­burg in einem ausführlichen Beitrag für den immo­bilien­man­ag­er3: Graf­fi­ti, Wandgemälde, Skulp­turen oder temporäre Instal­la­tio­nen – sie alle geben dem Quarti­er „ein Gesicht“, stärken die Iden­ti­fika­tion, das Gemein­schafts- und Sicher­heits­ge­fühl. Urban Art zieht Besucher:innen an und lässt auch umliegende Geschäfte und Cafés prof­i­tieren. Damit steigen der soziale wie der ökonomis­che Wert der Lage und damit auch die Vermark­t­barkeit. Kazmier­s­ki dazu: „Beson­ders in aufstreben­den Stadt­teilen kann Urban Art als Instru­ment zur Imagepflege genutzt werden, um das Vier­tel als kulturell inter­es­sant und lebendig darzustellen.“

Quartiere als Galerie

Einen Schritt weit­er gehen Stadt- und Quartier­s­plan­er, wenn sie ein ganzes Vier­tel der Kunst widmen. Ein promi­nentes Beispiel ist die bere­its erwäh­nte New York­er High­line, wo eine aufge­lassene Hochbahn­strecke in eine Natur- und Kunstin­stal­la­tion verwan­delt wurde. Die Umgestal­tung löste einen Immo­bilien­boom im umliegen­den Stadtvier­tel Chelsea aus; Luxus­woh­nun­gen, Boutique-Hotels und exklu­sive Einzel­händler siedel­ten sich an.

Ähnliche Effek­te kann man im DUMBO in Brook­lyn4 oder rund um die Murals in Miami, Philadel­phia und San Diego beobachten.

(Kunstin­stal­la­tion am DUMBO, New York City)

Ob künst­lerische Graf­fi­ti oder Skulp­turen­park – Kunst hat die Kraft, die Welt um sie herum zu verwan­deln. Und sie muss dazu nicht von New York­er Dimen­sio­nen sein: So haben engagierte Kunst­fre­unde 2007 in Bad Vilbel eine kleine Anlage entlang eines Bach­laufs in eine lebendi­ge Galerie verwan­delt und zeigen dort unter dem Titel „Massen­heimer Auenkun­st“ in Ausstel­lungszyklen von ca. zwei Jahren Plas­tiken und Instal­la­tio­nen regionaler Künstler:innen5.

Utopi­as­tadt Wuppertal

Urbane Kunst und Kultur spie­len eine wichtige Rolle beim Erfolg des Projek­ts Utopi­as­tadt in Wupper­tal6. 2011 startete das Projekt im historischen Bahn­hof Mirke als „Labor für Entwick­lung & Kreativ­ität“ mit der Perspek­tive einer dauer­haften Verbindung aus Kunst, Kultur und Gesellschaft. In den folgen­den acht Jahren wuchs die Utopi­as­tadt von einem 200 m2 großen Cowork­ing-Space auf knapp 40.000 m2. Es entstanden ein Hack­er- und Maker­space, eine Gemein­schaftswerk­statt, Urban Garden­ing Flächen, ein Fahr- und Lasten­rad­ver­leih, Märk­te, Festi­vals und viele weit­ere Elemente heutiger urbaner Kultur. Vor allem das starke Engage­ment der Menschen aus dem umliegen­den Vier­tel belegt die Strahlkraft und damit auch das Vermark­tungspoten­zial eines solchen Projekts.

Gods­ba­nen Aarhus 

Auch in Aarhus, der zweit­größten Stadt Däne­marks, wurde ein alter Güter­bahn­hof – dänisch: Gods­ba­nen – in ein Kunst- und Kulturzen­trum verwan­delt. Seit 2012 ist der Gods­ba­nen nicht nur ein Magnet für Einheimis­che, Besucher:innen und Kunstschaf­fende. Das Projekt hat auch für eine deut­liche Wert­steigerung der Immo­bilien im umliegen­den Quarti­er gesorgt7: Die Wohnung­spreise stiegen im Verhält­nis zur Gesamt­stadt um 2,3 bis 3 Prozent oder 27 bis 29 Tsd. Euro pro Wohnung.

Fazit

Urbane Kultur ist außeror­dentlich viel­seit­ig und anpas­sungs­fähig. Im Bere­ich der bilden­den Kunst etwa muss sie nicht auf groß dimen­sion­ierte Wand­bilder und repräsen­ta­tive Skulp­turen beschränkt bleiben. Selb­st rela­tiv kleine Räume eignen sich für Ausstel­lun­gen lokaler Künstler:innen oder Pop-up-Gale­rien. Event­flächen und ‑Räume können darstel­len­den Künsten wie Musik, Tanz, Theater, Kabarett oder Vari­eté ganz wörtlich eine Bühne bieten. Anziehend wirken auch Mitmach-Ange­bote wie im Gods­ba­nen in Aarhus oder dem Berlin­er URBAN NATION Muse­um, bei denen Künstler:innen mit der Nach­barschaft gemein­sam Kunst­werke real­isieren. Selb­st rela­tiv kleine Projek­te können also Flächen oder Räume für Kunst und Kultur schaf­fen und deren Anziehungskraft nutzen.

Ein finanzieller Mehrw­ert ist häufig die Folge, aber nicht zwin­gend garantiert – zu vielfältig sind die Einflüsse auf Immo­bilien­preise. Außer­dem bewirken allzu deut­liche Preis­steigerun­gen leicht eine Gentri­fizierung, die von Stadt­plan­ern und Poli­tik nicht immer gern gese­hen wird3. Ganz sich­er aber schafft die Nach­barschaft zu Kunst und Kultur für Immo­bilien ein ideales Vermark­tungsar­gu­ment – und das nicht nur für Wohnge­bi­ete und Freizeit­zo­nen: Auch Einkaufs- und Büro­la­gen prof­i­tieren, wenn Kund­schaft und Beruf­stätige im Umfeld Anre­gung und Erleb­nisse finden.

Quellen

  1. Christin Erdmann-Goldoni: “Contem­po­rary Art in Public Spaces: Forms of Expres­sion, Impact, and Chal­lenges”, Euro­pean Public & Social Inno­va­tion Review EPSIR, Ausgabe 8, Okto­ber 2024
  2. Constanze von Marlin: „Stiftung Berlin­er Leben: Verant­wor­tung für lebendi­ge Quartiere“ in Insti­tut für Corpo­rate Gover­nance in der deutschen Immo­bilien­wirtschaft, Ausgabe 2/2025
  3. André Kazmier­s­ki (Stadt­bau Aschaf­fen­burg): „Urban Art: Wie Kunst Quartiere verän­dert“, in immo­bilien­man­ag­er, Ausgabe vom 24.01.25
  4. „Down Under the Manhat­tan Bridge Over­pass“ (DUMBO), Beispiele aus „Art and Real Estate: How Public Art Instal­la­tions are Boost­ing Prop­er­ty Values“, Trust­ed Prop­er­ty Advi­sors TPA, Okto­ber 2024
  5. „Massen­heimer Auenkun­st“, Ufer­park am Erlen­bach, Mühlstraße, 61118 Bad Vilbel
  6. „Beispiel­hafte Projek­te der Quartiersen­twick­lung – Neue Mate­ri­alien zur Planungskul­tur“, Insti­tut für Städte­bau und Wohnungswe­sen (ISW), Deutsche Akademie für Städte­bau und Landes­pla­nung (DASL), August 2024
  7. Matthiesen, L., Lautrup, M., Panduro, T.: “From indus­try to center for arts and culture: the impact of indus­tri­al heritage trans­for­ma­tion on neigh­bor­hood house prices,” Fron­tiers in Sustain­able Cities, 9. Juni 2025

(Bildquellen: istockphotos.com, dreamstime.com, High Line Park NYC, Urban Nation Muse­um Berlin)