Von Daniel Bauer, Managing Partner bei VALDIVIA
Bei strahlendem Herbstwetter starteten wir am Montag in die EXPO REAL 2026. Bereits am Vorabend hatten wir gemeinsam mit Kunden, Partnern und langjährigen Wegbegleitern unseren traditionellen VALDIVIA Boardroom Lunch in der Käfer Wiesn Schänke den Auftakt gemacht. Die Gespräche dort und in den darauffolgenden Messetagen spiegelten eine Entwicklung wider, die uns in diesem Jahr besonders aufgefallen ist.
Nach zahlreichen Gesprächen mit Investoren, Eigentümern, Asset Managern, Projektentwicklern, Fondsvertretern, Family Offices und Führungskräften aus Deutschland, Europa, England und dem Rest der Welt bleibt vor allem ein Eindruck zurück: Der Markt wirkt aufrüttelnd realistischer als in den vergangenen Jahren.
Es gibt weniger Wunschdenken und mehr Realitätssinn.
In den vergangenen Jahren wurde auf vielen Veranstaltungen über den Zeitpunkt der Markterholung diskutiert. Die Hoffnung auf eine schnelle Rückkehr zu früheren Rahmenbedingungen war oft spürbar – oder besser: ein „zartes Pflänzchen“. In diesem Jahr haben wir jedoch eine andere Stimmung wahrgenommen: Viele Gesprächspartner haben akzeptiert, dass das aktuelle Marktumfeld mehr als nur eine kurze Übergangsphase ist. Zinsen, Finanzierungskosten, Bewertungsniveaus, Kapitalanforderungen und die geopolitische Lage haben die Spielregeln verändert. Anstatt auf die Rückkehr alter Zeiten zu warten oder darauf zu hoffen, dass sich die Situation zeitnah bessert, beschäftigen sich Unternehmen bereits seit einiger Zeit mit der Frage, wie sie unter den heutigen Bedingungen erfolgreich agieren können. Die Stimmung war keineswegs euphorisch. Gleichzeitig haben wir deutlich weniger Lähmung wahrgenommen als noch vor einem oder zwei Jahren.
Es ist derselbe Markt, aber anders.
Die viel zitierte „Erholung“ trifft nicht auf alle zu und verläuft keineswegs gleichmäßig. Während einige Marktsegmente weiterhin an Dynamik gewinnen, bleiben andere auf der Strecke. So bitter das ist, so ist es nun einmal. Die Unterschiede zwischen Assetklassen, Standorten und Produktqualitäten werden sichtbarer. Der „Flight to Quality“ bleibt insbesondere im Office-Bereich ein bestimmendes Thema. Gleichzeitig sind die Segmente Living und Logistik mit ihren Mischformen in aller Munde.
Qualität, Standhaftigkeit und Siegeswille werden zu entscheidenden Faktoren.
Wenn wir die vielen Gespräche auf einen gemeinsamen Nenner bringen müssten, dann wäre es wahrscheinlich dieser: Qualität gewinnt … bei Strategien. Bei Geschäftsmodellen. Bei Menschen.
Denn jetzt ist „Crunchtime“.
Was bedeutet das für Unternehmen?
Unternehmen müssen sich verstärkt mit ihrer eigenen Strategie und Weiterentwicklung befassen. Anstatt auf die Rückkehr früherer Marktbedingungen zu warten, rücken strategische Prioritäten, Qualität und konkrete, vielleicht sogar unkonventionelle Lösungen in den Fokus. Das ist mir auf der Expo in zahlreichen Gesprächen wieder bewusst geworden. Gleichzeitig erleben wir eine hohe Kostendisziplin, auch auf der „Payroll-Seite“. Investitionen werden noch kritischer geprüft. Neue Initiativen müssen nachvollziehbar begründet werden. Ressourcen werden gezielter eingesetzt. Der Fokus verschiebt sich vielerorts weg vom Opportunismus und hin zu nachhaltiger, belegbarer Wertschöpfung.
Kandidatinnen und Kandidaten müssen sich fragen: Kandidatinnen und Kandidaten tun es ebenfalls. Die besten Führungskräfte wechseln heute nicht mehr allein für einen größeren Titel oder ein höheres Gehalt. Sie stellen andere Fragen. Wie tragfähig ist die Strategie? Wie ist das Unternehmen aufgestellt? Welche Perspektive bietet die Plattform? Welchen Gestaltungsspielraum gibt es tatsächlich?
Was bedeutet das für VALDIVIA?
Für uns als Executive-Search-Beratung war es besonders spannend zu beobachten, wie stark sich diese Entwicklung auch in unserem Markt widerspiegelt. Der Hiring-Markt folgt aktuell ähnlichen Mechanismen wie der Investmentmarkt. Unternehmen besetzen Führungspositionen heute deutlich gezielter als noch vor einigen Jahren. Senior Hires müssen heute einen klar erkennbaren Beitrag zum Unternehmenserfolg leisten. Die Zeiten klassischer „Nice-to-have“-Besetzungen sind weitgehend vorbei. Gleichzeitig sind Fehlbesetzungen auf Führungsniveau teurer und mit einem höheren strategischen Risiko behaftet. Entsprechend steigen die Anforderungen sowohl an die fachliche Kompetenz, die zunehmend „Breite“ sucht, als auch an den absoluten persönlichen und kulturellen Fit. Diese Entwicklung beobachten wir bereits seit Monaten. Es sind auch neue Führungsrollen entstanden und die Bandbreite der Aufgaben in den klassischen C‑Level-Funktionen ist größer geworden. Suchprozesse werden von unseren Kunden noch sorgfältiger und tiefgreifender geführt, Entscheidungen werden intensiver diskutiert und Kandidaten werden noch genauer durchleuchtet.
Unser Fazit
Die EXPO REAL 2026 hat uns einen Markt gezeigt, der auf bessere Zeiten wartet. Sie hat uns einen Markt gezeigt, der beginnt, die neuen Rahmenbedingungen anzunehmen.
Die Herausforderungen bleiben. Daran besteht kein Zweifel.