So begeistern Sie neue Kolleg:innen von Anfang an
Was macht Onboarding heute anders und auch wichtiger als früher?
Äußerlich scheint sich wenig verändert zu haben – von der Begrüßungsrunde durchs Unternehmen bis zur fachlichen Einweisung. Mit einem neuen Verständnis nachhaltiger Führung wird man jedoch heute vor allem seine Bedeutung anders bewerten: Ein zugewandtes, systematisches Onboarding begeistert neue Mitarbeitende und ist ein wichtigster Faktor für eine langfristige Bindung an Ihr Unternehmen. Wie Sie dies systematisch erreichen können, zeigen wie Ihnen hier im abschließenden, vierten Teil unserer Reihe zur Kandidatenreise im Valdivia Newsroom.
Ein guter Anfang vor dem Anfang
Für Kandidat:innen beginnt das Onboarding im Kopf – oft lange vor dem ersten Arbeitstag. Bereits im Bewerbungsprozess suchen sie das, was für viele der wichtigste Grund ist, sich für einen Arbeitgeber zu entscheiden: ein gutes Arbeitsklima1/2. Ebenso wie Gehalt und Aufgaben muss beim „Preboarding“ das Gefühl stimmen, das Ihr Unternehmen vermittelt – in Gesprächen ebenso wie in Anschreiben oder Informationen für neue Mitarbeitende.
Denn die Probezeit ist leicht zu beenden: 20 Prozent der neu Eingestellten kündigen innerhalb der ersten 100 Tage; weitere 10 Prozent treten eine neue Stelle trotz unterschriebenem Arbeitsvertrag erst gar nicht an3. Auf der anderen Seite identifizieren sich Kandidat:innen stärker mit dem Unternehmen, wenn sie sich bereits in der Phase des Preboarding gut behandelt fühlen. Dies führt zu einer höheren intrinsischen Motivation und Loyalität gegenüber dem Arbeitgeber4.
Mit Preboarding Vorfreude wecken
Oft liegt ein gewisse Zeitspanne zwischen der Vertragsunterschrift und dem Arbeitsbeginn. Bieten Sie Ihren neu Eingestellten für diese Zeit des Preboarding spezielle Unterseiten Ihrer Website, vielleicht sogar personalisiert mit Zugangscode. Auf diese Weise stärken Sie den Entschluss für Ihr Unternehmen, wecken Vorfreude auf die neue Position und können bereits eine erste Orientierung zu den zukünftigen Aufgaben vermitteln.
Weitere Wünsche neu eingestellter Mitarbeitender fürs Preboarding hat eine Umfrage des HR-Software-Herstellers softgarden 2022 ermittelt5:
- Die meisten (88 %) wünschen sich nach der Zusage eine schnelle Zustellung des Arbeitsvertrags.
- Sehr wichtig ist vielen (65 bzw. 64 %) eine zentrale (digitale) Orientierungsveranstaltung vor Arbeitsbeginn und ein Kontakt zum Vorgesetzten, um z. B. Fragen vorab zu klären.
- Weiterhin auf der Wunschliste stehen Teilnahme an (virtuellen) Team-Meetings (45 %), Informationen über Neuigkeiten aus dem Unternehmen (43 %) und Hilfe bei Alltagsfragen wie der Suche nach einer Wohnung oder Kita (41 %).
- Eine Vorab-Einbindung in Projekte wünschen sich zwar nur wenige (24 %). Ein optionales Angebot könnte aber je nach Aufgabenbereich auf Interesse stoßen.
Einige dieser Wünsche werden auch häufig erfüllt, am seltensten der nach der Einladung zu einer realen oder virtuellen Voraborientierung oder einem Team-Meeting.
Erwartungen ans Onboarding
Auch Prioritäten und Status zum eigentlichen Onboarding hat die Softgarden-Studie abgefragt:
- In aller Regel werden die Neuen ihren Kolleg:innen vorgestellt, erhalten eine Ansprechperson im Team und eine für Personalfragen; dies halten Unternehmen jedoch oft für wichtiger als die neuen Mitarbeitenden selbst.
- Bei der Einrichtung des Arbeitsplatzes sowie Orientierungen zu Unternehmensstrategie und ‑werten stimmen Wünsche und Erfahrungen meist überein.
- Relativ hohes Interesse haben neue Mitarbeitende an einem terminlich abgestimmten Einarbeitungsplan (55 %); hier liegt die Realisierung mit (42 %) noch zurück. Geringer ist das Interesse der Neueinsteiger an einem speziellen Einstiegsmentor (36 %), der von Unternehmen auch nur selten angeboten wird (29 %).
Zwei Tools für einen gelungenen Einstieg
- Integration und Teamwork fördern: die Mitarbeiter-App
Ein klarer Einarbeitungsplan ist wichtig. Ebenso entscheidend ist jedoch, dass neue Mitarbeitende schnell Anschluss finden. Besonders in größeren Unternehmen kann dies anfangs schwierig werden. Eine Mitarbeiter-App bietet Orientierung und Nähe: Als digitales Adressbuch zeigt sie alle Kolleg:innen mit Foto, Funktion und Kontaktdaten. Für den direkten Austausch im eigenen ist ein Gruppenchat nützlich. Neue Teammitglieder können sich mit einem kurzen Beitrag vorstellen. Und eine KI hilft in mehrsprachigen Teams beim Übersetzen. So entstehen früh persönliche Verbindungen – über Abteilungen, Standorte und sogar Ländergrenzen hinweg.
- Zeitgemäße Einarbeitung unterstützen: der Onboarding-Hub
Über eine digitale Plattform stellen Sie Schulungsinhalte wie Handbücher, Fachartikel oder Videos bereit. Offenheit und Wertschätzung zeigen Sie dabei, wenn die Lernenden diese nicht nur abrufen, sondern auch kommentieren können. Vor allem jüngere Mitarbeitende schätzen es außerdem, wenn die Inhalte – zumindest teilweise – von ihren zukünftigen Kolleg:innen „selbstgemacht“ sind6.
Indem Sie zusätzlich dazu ein regelmäßiges Feedback erfragen, sichern Sie nicht nur den Lernerfolg und die Praxisnähe der Einarbeitung. Sie vermitteln damit auch ein dialogorientiertes Arbeitsklima und stärken das Verantwortungsgefühl der Befragten.
Ob ein digitales Onboarding sinnvoll ist, hängt natürlich von Größe, Struktur und Ressourcen Ihres Unternehmens ab. In jedem Fall werden digitale Tools wie die Mitarbeiter-App und ein Onboarding-Hub den Wissenstransfer erleichtern und Prozesse effizienter machen.
Auch Bewerbende schätzen übrigens diese Form der Einführung: Rund 70 Prozent empfinden ein virtuell unterstütztes Onboarding als ebenso gut oder besser als rein persönliche Formate5. Ferner kann die Mitarbeiter-App auch weitere Funktionen übernehmen wie etwa, Urlaubsanträge, Krankmeldungen oder Arbeitszeitkonten zu verwalten – nützliche Funktionen, die durch ihren zeitgemäßen Charakter auch das positive Image Ihres Unternehmens stärken.
Fazit
Ein gelungenes Onboarding und auch das früher kaum beachtete Preboarding sind heute wichtige Faktoren für die Mitarbeiterbindung und damit letztlich für den Bestand eines Unternehmens geworden. Wer sich von Anfang an willkommen und wahrgenommen fühlt, wird seltener weiter über alternative Stellenangebote nachdenken und rascher seine volle Leistung in Ihr Unternehmen einbringen. Dazu bieten heute digitale und KI-gestützte Tools wertvolle Hilfen und entlasten HR und Fachabteilungen bei Orientierung und Einarbeitung der neuen Kolleg:innen.
Quellen
- „Was der Agenturnachwuchs vom Berufseinstieg erwartet“, GWA Nachwuchsstudie, Mai 2020
- „Kandidatenporträt 2024: Untersuchung zur aktuellen Candidate Experience“ zur Glaubwürdigkeit von Arbeitgebern, softgarden, Juni 2024
- „Job-Ghosting: Wenn der neue Kollege nicht kommt“, Haufe online, Oktober 2023
- „Mystery Bewerbungsprojekt“, Untersuchung von Bewerbungsprozessen bei 120 Unternehmen in Deutschland, Österreich und der Schweiz, Studie von Talent Centric et. al., Januar 2024
- „Onboarding Reloaded“, softgarden, Mai 2022
- „Trendence HR Monitor 2024“, Trendence (Funke Mediengruppe), Januar 2025
(Bildquelle: istockphotos.com)