• Zukunft

Polymathic Leadership
als Chance
für die Immobilienbranche

11.02.2025
  • Zukunft

ESG, Digi­tal­isierung, New Work, KI und ein abse­hbar nicht gefes­tigter Markt – Führungskräfte in der Immo­bilien­branche stehen heute vor einem komplex­en Geflecht von Heraus­forderun­gen. Mit unilat­eraler Erfahrung und Kompe­tenz allein wird es zunehmend schwierig, ein Immo­bilienun­ternehmen in solch stür­mis­ch­er See auf Kurs zu halten. Dies ist aber auch eine Chance, neue Strate­gien zu erproben. Mit der „poly­math­is­chen Führung“1 stellen wir Ihnen dies­mal in unser­er News­room-Reihe Valdivia Zukun­ft: Gover­nance einen Model­lansatz vor, der erkennbar nach­haltiges Poten­zial besitzt.

Das Prinzip

Im Kern wirkt poly­math­is­che Führung, indem sie Fach- und Anwen­dungswis­sen verschieden­er Bere­iche stim­mig verbindet. Dazu kombiniert sie ein tiefge­hen­des Verständ­nis dieser Bere­iche und orchestri­ert damit inter­diszi­plinäre Teams und Aufgaben. Michael E. Araki beschreibt die poly­math­is­che Führung in sein­er Arbeit zu dem Thema als „ein Modell von Führungsver­hal­ten, das das Erre­ichen eines höheren Niveaus an Breite, Tiefe und Verbun­den­heit des Lernens in der Gruppe fördert. Es geht darum, sich gemein­sam über schwierige Prob­leme hinwegzuset­zen und posi­tive Verän­derun­gen und Beiträge zur Gesellschaft zu leis­ten.“ (Seite 136/137)

Vom gener­al­is­tis­chen Führungsstil unter­schei­det sich der poly­math­is­che Ansatz durch eine tief­ere, detail­lierte Kennt­nis der verschiede­nen Fachge­bi­ete. Entscheider:innen soll­ten die möglichen Beiträge aller Beteiligter einschätzen und neue, auch unge­wohnte Verbindun­gen erken­nen können.

Die Vorteile

Poly­math­is­che Führung ist darauf ausgerichtet, Heraus­forderun­gen aus verschiede­nen Blick­winkeln zu betra­cht­en und ganzheitliche, kreative Antworten zu find­en. Als Beispiel können einige der „out of the box“-Lösungen zur Umwand­lung leer­ste­hen­der Büro­ge­bäude dienen, die wir 2024 in einem Beitrag vorgestellt hatten.

Wichtige Merk­male poly­math­is­ch­er Führung sind Flex­i­bil­ität, Offen­heit, Neugi­er, Empathie, aber auch selb­stkri­tis­ches und tief­gründi­ges Denken. Diese Kombi­na­tion befähigt poly­math­is­che Führungskräfte, unvor­ein­genom­men mit unter­schiedlichen Stand­punk­ten umzuge­hen und damit inter­diszi­plinäre Teams anzus­prechen und mitzureißen. So stärken sie gerade in Zeit­en des Umbruchs und schneller Verän­derun­gen die Resilienz der gesamten Organ­i­sa­tion und können komplexe Heraus­forderun­gen bess­er bewältigen.

Weit­er­bil­dung als Fundament

Es liegt auf der Hand, dass eine poly­math­is­che Führung eine kontinuier­liche Weit­er­bil­dung und laufend­en Kontakt zur Entwick­lung in den verschiede­nen Diszi­plinen benötigt. Für zeitlich stark beanspruchte Führungskräfte bietet sich dazu eine Kombi­na­tion von Meth­o­d­en an:

  • Microlearn­ing
    Phasen klas­sis­ch­er Weit­er­bil­dung zu größeren Themenkom­plex­en lassen sich durch selb­st­ges­teuertes Microlearn­ing ergänzen. Dies sind kurze Lernein­heit­en zu bestimmten Themen oder Fähigkeit­en. Vermit­telt werden solche Inhalte durch Videos, Podcasts oder Mikro-Onlinekurse, die in weni­gen Minuten das Wissen erweit­ern, bere­its Vorhan­denes ins Gedächt­nis rufen oder eine bestimmte Fähigkeit trainieren.
  • Lernen in der Gruppe
    Laut einer Studie2 lernen 84 % aller Führungskräfte in Grup­pen beson­ders erfol­gre­ich. Da viele Unternehmen zunehmend auf selb­st­ges­teuertes oder digi­tales Lernen setzen, empfehlen sich kolle­giale Lern­grup­pen als Ergänzung, die verant­wortlich­es Lernen stärken und einen Raum zu prak­tis­chen Übun­gen bieten.
  • Assess­ment
    Angesichts der Vielzahl möglich­er Themen und eines knap­pen Zeit­bud­gets sind Tests bzw. Selb­sttests ein wichtiges Steuerungsin­stru­ment der Weit­er­bil­dung: Welche Themen soll­ten Prior­ität haben? Welche Fortschritte habe ich im Bere­ich X erre­icht? Welche Bere­iche kann ich aktuell über­sprin­gen? Eine regelmäßige Über­prü­fung hilft der poly­math­is­chen Führung, system­a­tisch das Wesentliche zu erken­nen und kein Thema ins Abseits gleit­en zu lassen.
  • Inhouse-Knowhow
    Eine wertvolle Wissensquelle sind die Fach­leute im eige­nen oder in Part­nerun­ternehmen. Von ihnen können sich Führungskräfte ziel­gerichtet und effizient über aktuelle Entwick­lun­gen oder wichtige Grund­la­gen informieren lassen. Geeignete Formate reichen von infor­ma­tiv­en Gesprächen und Einzel­refer­at­en bis hin zu regel­recht­en Inhouse-Kongressen.

Trag­w­erk der Eigenschaften

Im Kern poly­math­is­ch­er Führung stehen Breite und Tiefe im Denken sowie die Fähigkeit, mögliche, neue Verbindun­gen zu erken­nen. Daneben nennt Araki (Seite 138 ff.) weit­ere Erfol­gs­fak­toren dieses Führungsstils, so u.a.

  • „Beid­händigkeit“, d.h. die Fähigkeit, schein­bar disparate oder gegen­sät­zliche Fähigkeit­en, Haltun­gen oder Konzepte gleicher­maßen gut und ausge­wogen einzusetzen;
  • Zutrauen in die eige­nen Fähigkeit­en und den Mut, neu erkan­nte Wege auch tatsäch­lich zu beschre­it­en und dabei Bewährtes in Frage zu stellen.

Mit all diesen Merk­malen wirkt poly­math­is­che Führung nicht nur auf der oper­a­tiv­en Ebene. Sie setzt bere­its in der Zusam­men­stel­lung der Teams und Förderung der Mitar­bei­t­en­den an und hat posi­tiv­en Einfluss bis tief hinab in psychosoziale Faktoren wie Selb­st­wahrnehmung, Normen und Denkweise der gesamten Organisation.

Gerade für eine bislang oft noch tradi­tionell geprägte Branche wie die Bau- und Immo­bilien­wirtschaft ist poly­math­is­che Führung damit ein ideales Instru­ment, notwendi­ge Umbrüche zu nutzen und neue, nach­haltige Geschäftsmod­elle zu entwickeln.

(Fußnoten)

  • Michael E. Araki, „Poly­math­ic Lead­er­ship: Theo­ret­i­cal Foun­da­tion and Construct Devel­op­ment“ (Rio de Janeiro 2015) – eine frühe, ausführliche Darstel­lung; der englis­che Voll­text steht zum Down­load zur Verfü­gung.
  • Devel­op­ment Dimen­sions Inter­na­tion­al, Inc., „Glob­al Lead­er­ship Fore­cast 2021“

(Bildquelle: KI-gener­iert mit DALL‑E)

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