• Governance

Leadership-Modelle
in der Tierwelt:
Impulse für moderne Führungskräfte

26.11.2025
  • Governance

Was Löwin­nen, Elefan­ten & Bono­bos über wirk­same Führung verrat­en – und welche Strate­gien Führungskräfte daraus ableit­en können.

Wie sieht Führung aus, wenn Posi­tion keine Rolle spielt? Wenn Titel nicht zählen – und nur Verhal­ten wirkt? Wie entste­ht Orien­tierung, wenn nicht Macht, sondern Präsenz entscheidet?
Und was können wir von Syste­men lernen, die seit Jahrtausenden stabil funk­tion­ieren – ohne Organ­i­gramm, ohne KPIs, ohne Leadership-Programme?

Diese Leit­fra­gen ziehen sich wie ein roter Faden durch unsere bish­eri­gen Lead­er­ship­im­pulse-Beiträge – von Nach­haltigkeit führen  bis Leit­en im Erfolg . Und kaum ein Ort liefert darauf klarere Antworten als die Natur. Dort entste­ht Führung nicht aus Posi­tion oder Status, sondern aus gelebtem Verhal­ten: aus Klarheit, Orien­tierung, Präsenz, Beziehung und der Fähigkeit, im richti­gen Moment zu entschei­den. Genau darin liegt ihre Kraft – und ihr Wert für moderne Führung.

Aktuelle verhal­tens­bi­ol­o­gis­che Studi­en aus Wien, Berlin und inter­na­tionalen Forschung­steams bestäti­gen dieses Bild: Tierge­mein­schaften leben zentrale Lead­er­ship-Prinzip­i­en oft präzis­er und konse­quenter, als wir es aus organ­i­sa­tionalen Struk­turen kennen. Sie zeigen klare Rollen­de­f­i­n­i­tion (Löwin­nen), stabile Orien­tierung in Unsicher­heit (Elefan­ten), beziehung­sori­en­tierte Konflik­tlö­sung (Bono­bos), situ­a­tive Kompe­ten­zverteilung (Wölfe) und eine Führung, die über Haltung statt Worte wirkt (Pferde).

Unser aktueller Beitrag der Reihe Lead­er­ship­Im­pulse greift diese Erken­nt­nisse auf und zeigt, wie Führungskräfte diese natür­lichen Mech­a­nis­men in ihre eigene Lead­er­ship­prax­is inte­gri­eren können – nicht als Meta­pher, sondern als konkrete Verhal­tensim­pulse für wirk­same Führung:

Klarheit & Orien­tierung: Struk­tur schaf­fen, statt steuern

Die Natur zeigt eindrucksvoll, dass Führung dort wirk­sam wird, wo Klarheit herrscht. Löwin­nen führen ihr Rudel, indem sie Aufgaben entlang indi­vidu­eller Stärken und Energiepro­file verteilen – nicht nach Tradi­tion, Hier­ar­chie oder Dominanz.

Auch in den koop­er­a­tiv­en Jagdge­mein­schaften von Okto­pussen und Fischen wird deut­lich: Erfolg entste­ht, wenn Rollen eindeutig definiert und Kommu­nika­tion­ssig­nale präzise aufeinan­der abges­timmt sind.

Für Organ­i­sa­tio­nen bedeutet das:
Rollen soll­ten nicht statisch verstanden werden, sondern regelmäßig über­prüft, bewusst formuliert und klar voneinan­der abge­gren­zt werden. Orien­tierung entste­ht durch klare Zuständigkeit­en – nicht durch engmaschige Kontrolle. Ein kurzes Rollen-Reset beim Start neuer Projek­te oder bei Mark­tverän­derun­gen reduziert Reibungsver­luste und erhöht die kollek­tive Wirk­samkeit spürbar.

Stabil­ität & Selb­streg­u­la­tion: Ruhe als Führungsqualität

Elefan­ten­her­den zeigen, wie sehr stabile Führung auf inner­er Ruhe und Erfahrungswis­sen basiert. Die Matri­archin führt nicht durch Druck, sondern durch Einschätzung, Weit­sicht und eine Haltung, die Sicher­heit ausstrahlt. In Momenten hoher Komplex­ität entschei­det nicht Laut­stärke – sondern Regulation.

Für Führungskräfte heißt das:
In anspruchsvollen Phasen ist die eigene emotionale und kogni­tive Stabil­ität der stärk­ste Orien­tierungspunkt für Teams. Wer Ruhe verkör­pert, schafft Vertrauen, gerade wenn Dynamiken unüber­sichtlich werden. Selb­streg­u­la­tion wird damit zu einer der wichtig­sten Lead­er­ship-Fähigkeit­en unser­er Zeit – branchenübergreifend.

Beziehung & psychol­o­gis­che Sicher­heit: Führung als soziale Architektur

Der direk­te Vergle­ich zwis­chen Bono­bos und Schim­pansen zeigt, wie stark Führungsstile Kultur formen. Bono­bos sich­ern Kohä­sion durch Nähe, Diplo­matie und soziale Intel­li­genz – Schim­pansen durch Domi­nanz und Konkur­renz. Die Hausti­er-Studie 2024/2025 bestätigt: Soziale Bindung beein­flusst Verhal­ten tiefgreifend.

Für die Führungsre­al­ität bedeutet das:
Beziehung­sori­en­tierung ist kein „weich­er Faktor“, sondern ein strate­gis­ches Führungsin­stru­ment. Kurze, regelmäßige Gesprächs­for­mate ohne Kontrol­linten­tion stärken psychol­o­gis­che Sicher­heit – die Basis für Inno­va­tion­skraft, Engage­ment und Team­sta­bil­ität. Kultur entste­ht nicht durch Programme, sondern durch konse­quente Beziehungsgestaltung.

Situ­a­tive Kompe­tenz: Führung als beweglich­es System, nicht als Titel

Die Wolfs­forschung von Dr. Jennifer Hatlauf (BOKU Wien, 2025) zeigt exem­plar­isch, wie situ­a­tive Führung funk­tion­iert: Verant­wor­tung wandert dorthin, wo die höch­ste Kompe­tenz liegt. Exper­tise statt Status – Kontext statt Position.

Für Organ­i­sa­tio­nen heißt das:

Führung ist ein dynamis­ch­er Prozess. Teams werden schneller, klar­er und verant­wor­tungs­be­wusster, wenn Führungskräfte situ­a­tive Kompe­tenz zulassen und offen benen­nen, wer in welchem Thema die beste Entschei­dungs­grund­lage hat. Das schafft Owner­ship und erhöht die Qual­ität gemein­samer Entscheidungen.

Wirkung & Präsenz: Haltung als Leadership-Werkzeug

Pferde im Equicoach­ing reagieren nicht auf Worte, sondern auf Energie, Körper­sprache und innere Ausrich­tung. Chamäleons erin­nern daran, wie mächtig nonver­bale Wirkung ist, wenn sie bewusst einge­set­zt wird. Wirkung entste­ht vor Argu­menten – und oft unab­hängig von ihnen.

Für Führungskräfte bedeutet das:
Ein geschärftes Wirkung­spro­fil ist unverzicht­bar. Fragen wie „Wie wirke ich in Ruhe? Unter Druck? Bei Unsicher­heit?“ bilden die Grund­lage für eine Präsenz, die Orien­tierung gibt. Authen­tis­che Haltung und klare Körper­sprache gehören zu den wirkungsvoll­sten – und zugle­ich unter­schätzten – Leadership-Instrumenten.

Rollenin­no­va­tion & Flex­i­bil­ität: Struk­turen stärken, statt festhalten

Das Rollen­mod­ell der Seep­fer­d­chen zeigt, dass Systeme dann stabil werden, wenn Rollen funk­tion­al statt tradi­tionell gestal­tet sind. Die Natur folgt nicht Konven­tio­nen – sie folgt dem Prinzip der Wirksamkeit.

Für moderne Führung heißt das:
Mut zur Rollenin­no­va­tion, bewusster Rota­tion und geteil­ter Verant­wor­tung stärkt Resilienz, Kreativ­ität und Adap­tions­fähigkeit. Nicht die üblichen Rollen schaf­fen Erfolg – sondern die passenden.

Fazit: Verhal­ten schlägt Position

Diese Erken­nt­nisse sind weit mehr als biol­o­gisch inspiri­erende Beobach­tun­gen – sie bestäti­gen funda­men­tale Lead­er­ship-Prinzip­i­en, die wir in unseren bish­eri­gen Lead­er­ship­im­pulsen immer wieder hervorge­hoben haben: Klarheit, Beziehungskom­pe­tenz, Situ­a­tion­ssen­si­bil­ität und eine konse­quent gelebte Führungshaltung.

Wirk­same Führung entste­ht nicht aus formaler Macht, sondern aus Verhal­ten. Die Natur zeigt uns eindrucksvoll, wie Führung funk­tion­iert, wenn sie auf Klarheit, Haltung, Beziehun­gen, Wahrnehmung und situ­a­tive Kompe­tenz setzt. Tiere führen durch Verhal­ten – und schaf­fen Orien­tierung, weil sie Ruhe verkör­pern, Exper­tise nutzen, Bindung gestal­ten oder Rollen bewusst vergeben.

Für moderne Organ­i­sa­tio­nen bedeutet das:
Lead­er­ship ist weniger das, was wir sagen – sondern das, was wir tun, ausstrahlen und ermöglichen. Genau darin liegt der Unter­schied zwis­chen Manage­ment und echter Führung.

Quellen

Studi­en & wissenschaftliche Arbeiten

  1. Studie BOKU Wien – Wolfsver­hal­ten & Konfliktmanagement
  2. Prof. Dr. Jan Wirsam, HTW Berlin – Sozial-koop­er­a­tive Führungsformen
  3. Hausti­er-Studie 2024/2025 – HorseFuturePanel
    https://hunderunden.de/artikel/haustierstudie-2425
    https://www.lifepr.de/inaktiv/takefive-media-gmbh/haustier-studie-2024–2025-erforscht-trends-rund-um-heimtierhaltung-nachhaltigkeit-und-das-einkaufsverhalten/boxid/991191
  4. Studie zu koop­er­a­tiv­en Jagdge­mein­schaften von Okto­pussen & Fischen (2024)

 

Weit­er­führende Liter­atur & Artikel

  1. Lead­er­ship-Inspi­ra­tion: Wirkung & Persönlichkeit
    https://grundl.de/blog/wirkungspersoenlichkeiten-fuehrung/
  2. Beck eLibrary – Publika­tio­nen zu Leadership
    https://www.beck-elibrary.de/document/download/pdf/uuid/a30927e8-6c99-32a6-9908–1d47b352882a
  3. HR-Manag­er – Tier­meta­phern in der Führung
    https://www.humanresourcesmanager.de/content/der-rat-der-tiere-wie-hr-von-tieren-lernen-kann/
  4. Foran – Lead­er­shipler­nen aus der Tierwelt
    https://foran.ch/news/blog/detail/von-loewen-bis-bonobos-was-wir-in-der-tierwelt-ueber-leadership-lernen-koennen/

(Bildquellen: dream­stime, istockphotos)

Cookie-Einstellungen

Diese Website verwendet Cookies, damit wir Ihnen die bestmögliche Benutzererfahrung bieten können. Die Cookie-Informationen werden in Ihrem Browser gespeichert und dienen unter anderem dazu, Sie wiederzuerkennen, wenn Sie zu unserer Website zurückkehren, und unserem Team dabei zu helfen, zu verstehen, welche Abschnitte der Website Sie am interessantesten und nützlichsten finden.

Unbedingt notwendige Cookies

Unbedingt notwendige Cookies sollten jederzeit aktiviert sein, damit wir Ihre Einstellungen für die Cookie-Einstellungen speichern können.

Cookies von Drittanbietern

Diese Website verwendet Google Analytics, um anonyme Informationen wie die Anzahl der Besucher der Website und die beliebtesten Seiten zu sammeln.

Wenn Sie dieses Cookie aktiviert lassen, können Sie unsere Website verbessern.